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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
349
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Briefe an Lessing . 1772. 34S

lien vorgebe»/ die Du über Wien doch antreten müßtest, wenn Duauch daselbst nicht das allergeringste zu thun hättest. So viel müßteDir allezeit im voraus gewiß werden, daß Du diese Reise davonmachen könntest. Allein das alles scheint mir noch zu weitläuftig, undso viel ich davon einsehe, ist Dein Vorsatz sehr vernünftig. Warumman von Wien aus noch nicht an Dich geschrieben, das mag wohl anFolgendem liegen. Der Graf von K" soll bey der Kayserin in Un-gnade gefallen seyn; und da dieser eigentlich mit Genehmigung desKavserS die Akademie der Wissenschaften errichten wollen, so könnte dieSache freylich stocken. Sollte sie aber wieder in Gang kommen, soglaube ich schwerlich, daß Riedel viel dabey zu sagen haben wird. Erkann jetzt einem und dem andern Großen als ein Wundermann vor-gestellt seyn; aber lernen sie ihn nur erst näher kennen, so werden sieschon sehen, daß sie, wie gewöhnlich, belogen worden sind. Und ge-setzt, diese Großen selbst wären nicht die besten Bcurthciler, so fälltdem seichten Kopf immer die Seichtigkeit des Andern am ersten auf.Ist es aber nicht so, wie ich mir cS da an meinem Pulte denke, sobleibt cS doch ein Beweis mehr, (und ich habe deren, trotz meinerziemlich großen Unwissenheit in der gelehrten Geschichte, genug) daß,wo sich die Großen in die Beförderung der Wissenschaften mischen,immer mehr Lächerliches als Kluges herauskommt. Hier weiß von derganzen Sache kein Mensch ein Wort, und durch mich soll auch gewißniemand etwas davon erfahren.

Die zwey geschnittenen Steine, als Ringe in Gold gesaßt, fol-gen hicrbcy nebst den verlangten Büchern-

Herr Mcil wird Dir vor Ostern ganz gewiß sein Versprechen halten.

Deine Tragödie möchte ich, wie Du Dir leicht vorstellen kannst,gern recht bald lesen, und sobald nur Manuscript da ist, soll mit demDrucke nicht gezögert werden.

Die Zeile in Deiner Erzählung, das Muster der Ehen, ist sogedruckt, wie Du sie verlangt hast. In den bcvliegcndcn Aushänge-bogen kannst Du sie selbst sehen.

Weißt Du denn, daß Klotz todt ist? Zum Sterben war er dochzu gut; aber zu seiner Ehre starb er vielleicht zur rechten Zeit.

Nun auch einmal etwas vom Theater! Koch hält sich hier ziem-lich gut, und hat auch jetzt im Carnaval die Woche ein- bis zwcymalsein Theater ganz, und die übrigen Tage ziemlich voll.

Engel hat eine Operette, die Apotheke, geschrieben. Da in diesemStücke viel auf einen Advokaten geschimpft wird, so haben die Berli-nischen Söldner der Gerechtigkeit fast eben so viel Lärmen darüber er-