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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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Briefe an Lessing . 1772.

regt, als die Geistlichkeit zu Paris über den Tartüffe. Alles nach Ver-hältniß, versteht sich. Kurz, man sieht, daß die Leute noch nicht ge-wöhnt werden können, die Sitten ihres Standes in einem gewissenLichte vorgestellt zu sehen. Consequenzmachcrey ist also kein Fehler,welcher der unverträglichen Geistlichkeit allein anklebt.

Du bist doch nicht böse, wenn Deine Tragödie hier von Koch ge-spielt wird? ES verstellt sich, nicht eher als Du es haben willst. Wieglaubst Du denn, daß Döbbelin damit fertig werden wird? Glückt esihm damit so gut, wie mit der Minna, so hat er Dir vielleicht mehrzu danken, als Du glaubst.

Nun bin ich an der unnützen Arbeit, an der Verdeutschung der8uüis!>nce <Ie In köliZion naturelle. Da sie ziemlich fade und wäs-serig ist, so müßte es sonderbar genug seyn, wenn sie nicht Leser fände.Das Beste daran ist, daß der Rcligionsvorurthcile gar nicht gedachtwird, und ich bis jetzt keinen niimoralischcn oder falschen Satz gefun-den habe.

Dein

treuer Bruder,Karl.

Hamburg , den 11. Jan. 1772.

Mein lieber Freund!

Man hat mich bis eben vor Abgang der Post aufgehalten. Unter-dessen muß ich Ihnen doch heute sagen, wäre cS auch nur mit wenigWorten, daß ich unser Glück noch einmal auf die Probe gestellt, dochleider! mit allzu wenig. Denn der ganze Gewinn von Ihrer Seitebeträgt nicht mehr, als was ich von Ihnen zu fordern hatte, die PaarDukaten, so ich Ihnen hier gegeben, und die Rechnung, so hicrbey folget.

Leben Sie wohl, bester Freund! Ich bin

Dero

ergebensteE. C- König.

Hamburg , den 14. Jan. 1772.

Mein liebster Freund!Ich würde mich mehr wundern, wenn Sie auf die letzte Anfrage, soman von W * * aus an Sie gethan, gleichgültig hätten antwortenkönnen, als wenn Sie sie wirklich recht empfindlich beantwortet haben.ES ist das unbilligste Anmuthen, das man sich gedenken kann. Auch