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hätten? Das wollte ich um vieles nicht: denn so erhielt ich noch indrey Wochen keinen. So lange dauert es gewiß, bis wir nach Salz-burg kommen. Dort treffe ich nun gewiß den Brief an den Staats-rath G- Nicht so? Mein Schwager sagt mir eben: ich sollte Ihnensein Kompliment machen, und zugleich sagen, daß wir bey unsern Un-glücksfällen mehr an Sie gedacht hatten, als wir vielleicht gethan ha-ben würden, wenn es uns besser ergangen wäre. Seiner Seits mages wahr seyn. Denn so wie ein Unglück kam, so sagte er: Herr Les-sing hat Recht: cS ist wahrhaftig ein hundsfüttisch Leben.
Es hätte besser gestanden, wenn ich mit dem Danke für die vieleuns erwiesene Güte angefangen hatte, als eben beym Schluß des Brie-fes. Doch ich glaube, daß Sie mir ihn am Ende wohl ganz schenk-ten, ohne mich im geringsten in Verdacht zu haben, ich sey unerkcnntlich.
Leben Sie wohl, mein bester Freund! Ich bin von ganzem Herzen
Ihre
ganz ergebeneE. C- König.
Beim Datumschreibcn fällt mir ein, daß heute Ihr Geburtstagist. Fevern Sie ihn vergnügt!
Berlin , den 29. Februar 1772.
Liebster Bruder,
Drey Bogen wieder von Deiner Emilta abgedruckt! Ich will nichthoffen, daß Du darin einen beträchtlichen Fehler finden wirst.
Der neu angekommene Flatschen davon, wie Du Dich auszudrückenpflegst, giebt mir über den Charakter der Emilia einen sehr vortheil-haften Aufschluß. „Sie ist die Furchtsamste und Entschlossenste unsersGeschlechts. Ihrer ersten Eindrücke nie mächtig, aber nach der gering-sten Ueberlegung in alles sich findend, auf alles gefaßt. Sie hält denPrinzen
Wie wahr und richtig! Die kindische und fast verächtliche Furcht-samkeit der Menschen, wenn sie nur stets in ihren vier Pfählen gewe-sen, und übrigens nicht ohne Einsicht und Verstand sind, hätte nichtedler gerettet werden können. Ich brauche Dir also wohl nicht zu sa-gen, daß ich mich auf das Ende freue. Vermuthlich wird Emilia nochauftreten; und welche andere Scenen erwarte ich nicht! Aber bald! obDu gleich die Erwartung des Vergnügens zum Vergnügen mitge-zählt hast.