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angenchmcrs denke», als an einer Stelle liegen bleiben zu müssen, woman nicht» zu thun hat, besonders ans dem Wege nach einem Orte,wo man so triftige Beschäftigungen vor sich hat. Und zum Unglücksieht uns noch ein solcher Aufenthalt zwischen Bambcrg und Nürnberg bevor. Denn bey Furchhcim soll das Wasser eben so angeschwol-len seyn.
Sind wir aber nur ersi über Nürnberg , so wird es schon bessergehen. DaS isi auch das Einzige, womit wir uns aufmuntern. Derbeständige Regen wird zwar auch die guten Wege sehr verderben; sowie er uns hier beständig in der Stube hält. Zu einem ist es gut.Mein Schwager kommt dadurch in den Geschmack des Lesens. Ich wette,daß er in zehn Jahren nicht so viel gelesen hat, als in den Paar Ta-gen. Ich glaube, wenn ich hier länger bliebe, so käme ich auch soweit, daß ich die Namen der Schiffer mit Lust lesen könnte. Gesternhabe ich schon zur Veränderung bey den Zeitungen angefangen, diejonst meine Lectürc nicht sind. Einen Artikel aus der Frankfurter habeich abgeschrieben, die Critik über MünterS Predigt. Vermuthlich ge-fällt sie mir, weil ich eben das, bey Durchlcsung der Predigt, dachte,was hier darüber gesagt wird. Ob ich recht gedacht habe, sollen Siemir sagen. Zu diesem Endzweck will ich Ihnen die Abschrift mit beylegen.
WaS mir den hiesigen Arrest am unerträglichsten macht, ist: daßich so lange keine Nachricht von alle denen kriege, die mir nahe amHerzen liegen. Wenn sie denn nur um so besser sind! das hoffe ich ja.
Halten Sie Ihr Versprechen, mir fleißig zu schreiben, und alleHamburger Nachrichten mitzutheilen. Von Hamburg selbst möchte ichsie nicht so aufrichtig überschrieben bekommen. Selbst wenn es wasUnangenehmes wäre, das mich betraft, möchte ich Sie fast bitten, eSmir gleich zu schreiben. Doch das wollen Sie wohl nicht thun? Unddoch thaten Sie mir einen großen Gefallen. Denn jede Sache würdemir gewiß nur halb so unangenehm seyn, wenn ich sie von Ih-nen hörte, weil sie stets mit dem Trost begleitet seyn würde, der derSache angemessen wäre.
Nun ich wohl bin, will ich Ihnen auch ausdrücklich sagen, daßich cS bin. In Koburg war mir sehr übel. Ich kriegte in der Nachtein Erbrechen, und — daß meinem Schwager angst und bange wurde.Ich selbst glaubte nicht, daß ich mich so geschwind wieder erholenwürde. Indeß ist cS besser gegangen, als wir beyde dachten.
So gehet cS öfters; die schlimmsten Aussichten haben öfters denbesten Erfolg- Die Erfahrung hat mich dies so manchmal gelehrt, daß