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ich auch sehr oft böse auf mich bin, wenn ich diese Erfahrung nicht al-lezeit zu meinem Vortheil anwende.
Seyn Sie zum letztenmal von Rattelsdorf aus gegrüßt; wenigstensfür dtcsesmal. ES wird sich wohl niemals wieder fügen/ daß von hier-aus an Sie so viel gedacht wird/ als diese Tage her an Sie gedachtworden ist.
Adieu, mein lieber Freund. Behalten Sie mich immer ein bis-chen lieb/
Jhr-
aufrichtige FreundinnE- C- König.
Von Nürnberg schreibe ich, daß man Ihnen das Portrait schickt.Ich habe noch den Vorwand nicht ausgedacht. Nichts fällt mir schwerer/ als Lügen. Sie wissen wohl: ich bin ein altfränkisches Weib-
Nürnberg am Freytag 1772.
Mein lieber Freund!
Endlich sind wir doch einmal von Rattclsdorf weggekommen/ nach^dem wir fünf Tage da gelegen hatten. Der Weg von da auf hierwar wieder ganz abscheulich. Doch haben wir ihn glücklich passirt/ undsind seit gestern Abend hier. Hier hören wir nun, daß die SaljburgerKaufleute/ die wir vor allen Dingen sprechen müssen/ binnen 10 bis12 Tagen nach Grätz reisen. Wir müssen also unsre ganze Reise än-dern, und statt erst nach Augsburg zu gehen, gerades Weges von hiernach Salzburg reisen. Der Umweg, den ich dadurch machen muß,verdrießt mich nicht so sehr/ als daß ich so lange nichts von Ihnenhöre noch sehe. Denn schwerlich treffe ich noch in Salzburg einenBrief von Ihnen; wohl aber wird einer in Augsburg liegen/ um denich morgen schreiben werde, daß er mir nachgeschickt wird.
Von Hause habe ich Briefe hier vorgefunden. Meine Kinder sindwohl, und alles steht gut. Herr Sch. nimmt sich meiner Geschäfteaufs eifrigste an.
Ich merke schon/ daß ich nicht viel Nützliches, in Ansehung desAbsatzes von dem Hamburger Lager/ mir zu versprechen habe. Klage»über elende/ nahrungslose Zeiten/ ist das Einzige/ womit man durch-gehendS unterhalten wird; und dies sind gewöhnlich Vorbote»/ dienicht viel gute Bestellungen versprechen.
Der schlechten Zeiten ungeachtet ist man hier noch immer sehrgastfrey. Sechs und dreyßig Stunden bin ich hier/ und komme die-