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den Aufenthalt sehr abkürzen kann. Die hiesigen sind wirklich schonalle bestellt, und also reisen wir auch spätestens übermorgen früh wie-der von hier ab. Unsre Tour gehet nun über München, Augsburg nach Regcnsburg. Von da denken wir die Donau herunter zu gehen.
Ich machte mir Hoffnung, einige Liebhaber zu der Wiener Fabrikhier zu finden; ich habe mich aber geirrt. Kein Einziger hat Lust dazu,und eS ist mir nur lieb, daß ich dies gleich aus ihren Reden schließenkonnte, und sie also auch keinem angeboten habe. Ich fürchte, ichfürchte, daß es hart halten wird, ehe ich einen Liebhaber dazu finde,und daß es am Ende wohl niemand ander», als die Kaiserinn selbstseyn kann, die sie übernimmt; wenigstens wenn ich einigermaßen gutdabey stehen soll. Ich denke fast, daß cZ am besten seyn wird, wennich den ersten Antrag darauf mache, und mein Schwager ist derselbenMeinung. Wir müssen nur sehen, was uns die Freunde in Wien ra-then. — Ich wünsche, daß Sie den Brief an den Staatsrath G- nichtvergessen haben, und ich ihn wenigstens in Wien vorfinde. DaS habenSie gewiß nicht! Ist er der dienstfertige und rechtschaffne Mann, fürden man ihn mir geschildert, so kann er mir mehr dienen, als alle diedreyßig Leute, an die ich addressirt bin. Vergessen Sie ihn daher janicht; verzeihen Sie aber auch, daß ich Sie aus Besorgniß nochmalsdaran erinnert habe.
Die Reise von Nürnberg auf hier ist besser gegangen, als die vonBraunschweig auf Nürnberg . Auch hat sich meine Gesundheit um einMerkliche» gebessert. Seyn Sie außer Sorgen um mich, liebsterFreund! Wenn in Wien die Sache nur halb gut geht, so komme ichganz gewiß mit einer dauerhaften Gesundheit zurück, und ist dies nicht— bald hätte ich was gesagt, worüber Sie gewiß geschmälct hätten.
Seit Montag ist man hier alle Tage mit der Wahl eines Erzbi-schofS beschäftiget. Keinem wollen so viele Stimmen zufallen, als erhaben muß, um zu dieser Würde zu gelangen. Ich wünschte wohl,daß cS ausginge, so lange wir noch hier wären. Mir ist gesagt, daß,wenn cS ein gewisser Graf von Zeil würde, um den das ganze Landbittet, so würden sich alle Unterthanen, Männer und Weiber, besaufcn.Der mir dieses erzählte, erzählte zugleich: seine erste Frau habe er aufdiese Art verloren. Wie der letztverstorbne Erzbischof erwählt wordensey, so hätte sie sich so sehr gefreuct, und zugleich so sehr berauscht,daß sie darüber den Tod bekommen. Nun so sind Sie wohl nicht da-für, daß der Graf von Zeil erwählt würde, weil eS Ihrer jetzigenFrau eben so gehen könnte, die für den Grafen so sehr eingenommenist! fragt' ich ihn. Wie der liebe Gott will! war alles, was er ant-