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Briefe an Lcssing. 4772.
man Riedcln berufen, Sie hatten eS aber abgeschlagen. Ich glaubenicht/ daß er ein Mann ist/ der Einfluß hat, sonst würde ich michhierüber näher mit ihm eingelassen haben. Stellt er waS vor, wornachich mich erkundigen werde, so findet sich dazu noch immer Gelegen-heit; denn er wird mich ehestens wieder besuchen.
Den Staatsrath G. habe ich seitdem einmal bey Sonncnfcls an-getroffen, wo er das Anerbieten erneuerte, mir, wo er nur könnte,dienen zu wollen. Er scheint von der Leidenschaft für die Deutscherinnzurückgekommen zu seyn. Ich urtheile es daraus, weil man mir er-zählt: er habe Ihr neues Stück dem jüngern Stephanie verehrt. Soviel sagt er mir selbst: sie studierten es bereits, nnd es würde nächstensaufgeführt werden.
Sonncnfcls seiner Sprache nach, hatten Sie cS selbst an Stepha-nie zum Hochzcitgeschenke übcrschickt/ und das bereits vor fünf Wochen.Diesem konnte ich nun leicht widerspreche»/ und eS schien ihn zu freuen/da er horte, daß eS nicht andcm wäre. Indeß möchte ich doch wissen,woher der Discours entstanden, und ob nicht gar Stephanie von Ber-lin aus frühzeitig ein Exemplar erhalten, womit er geprahlt, es vonIhnen bekommen zu haben.
Schon am Sonnabend sollte dieser Brief abgehen, weil ich aberim Schreiben gestört wurde, so mußte er bis heute liegen bleiben. —Nun weiß ich schon, wer Herr M, ist Er ist Professor bcv der Hand-lungS-Akademie, die erst voriges Jahr errichtet worden ist. ES wirdunserm Herrn Büsch schmeicheln, wenn er hört, daß sie völlig nachseinem Plan eingerichtet worden ist.
Am Montag ward das Theater zum erstenmal wieder cröfnet, mitder ScmiramiS. Wir hatten zum Unglück eine Loge, die neunte vomTheater, wo wir auch nicht einen Akteur oder eine Actrice hättenverstehen können. ES war mir um so ärgerlicher, weil cS just einStück war, von dem ich nicht viel wußte; denn ich halte eS nie ge-sehen, und in sechSzeh» Jahren nicht gelesen. Zum Beschluß gaben,sie ein heroisches Ballet: TheseuS , oder der frühzeitige Held, von No-vcrre, das die Langeweile völlig ersetzte, die wir währcnd dcS Stücksausgehalten; denn eS war ganz vortrcslich. — Die französische Komödieist völlig abgedankt. Die deutsche Komödie spielet nun auf dem Hofthea-ter, und auf dem am Kärntner Thore/ wcchselSweis mit der Opera Buffa ,
Ich beschließe diesen Brief mit derselben Klage, womit ich ihnangefangen. Diesen Augenblick ist wieder die Post gekommen, ohnemir etwas von Ihnen zu bringen. Gott gebe, daß eS keine Unpäßlich-