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Briefe an Lcssing. 1772.
ist wahr, mich dieses, daß G- ihn hierher gebracht, und 'er soll auchder Einzige seyn, der der Kaiserinn wieder bessere Gesinnungen vonihm beygebracht hat. Alle, die ihn bisher gesehen und gesprochen ha-ben, sind wider ihn eingenommen- Ob G> sich seiner Wahl freuetoder schämet, weiß ich noch nicht. — Wie Sonnenfels sagt: so hat erISo» Fl. Gehalt, und ist bestimmt, die Mythologie zu erklären.
Mich soll verlangen, ob er Gnade vor SonnenfelS Augen em-pfängt. Ich glaube zwar nicht, daß er sich über ihn herauslassen wird:denn er fängt an, den Hofmann zu spielen.
Pater Wurz hat mich besuchen wollen, und ich bin nicht zu Hausegewesen, sonst könnte ich Ihnen vermuthlich über die Sache, die Sieinteressier, nähere Auskunft geben- So viel ick) glaube, denkt mannoch gar nicht ernstlich darauf, und eS möchte auch wohl aus demganzen Anschlag, wie Sie selbst sagen, nichts werden, so lange nochzwey große Augen offen stehen. Indeß thun Sie allemal wohl, wennSie sich doch auf den Fall, daß cS eher geschehen könnte, richten.Daß Sie aber auch in dem entgegengesetzten Fall mit Vergnügen inWolfenbüitcl bleiben wollen, freuet mich mehr, als Sie sich vorstellenkönnen. Die Bedingung, unter der Sie es wollen, wird die Vorse-hung in Erfüllung kommen lassen. Ganz gewiß wird sich am Endealles nach unsern Wünschen lenken. ES siehet zwar noch sehr verwirrtaus. Ich habe noch wenig gute Aussichten; aber sie müssen und wer-den kommen.
Ich würde schrecklich weitläuftig seyn müssen, wenn Ihnen erzäh-len sollte, was seitdem in meiner Sache vorgefallen. Täglich wasVeränderliches! Heute der vortreflichste Anschein, den andern Tagwar alles wieder verrückt, und das durch Zufälle, die kein Mensch vor-hersehcn konnte. Jetzt habe ich wieder die Hoffnung, in ganz kurzemvom ganzen Lager befreyt zu werden, und zwar übernimmt vielleichtder Hof selbst einen Theil davon.
Hundertmal des TageS kommen Sie mir vor, wie Sie Unter denBüchern herum kramen. Wie gern wollte ich Ihnen helfen, lieber,als den Großen aufwarten. Ihre Arbeit wird Ihnen wohl sauer, aberglauben Sie nur, daß die meinige mir noch saurer wird- Zum Glück,daß ich überall gütig aufgenommen werde, sonst wäre es vollends arg.
Wenn die Sch. Verstand hat, so heyrathct sie lieber außer Ham-burg als in Hamburg , und so reüssict wohl unser Herr von K- Ichwünsche es von ganzem Herzen. Wenn der Vetter die Parthie macht,so macht er doch einmal was Kluges.