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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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404
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Briefe au Lessing. 1772.

neue Stücke, wovon das cinc drey Tage hintereinander aufgeführt wor-den/ das andre aber noch unter der Presse ist. Das, so bereits aufge-führt, ist betitelt: Leichtsinn und Licbc, Ich habe es nicht auslcsenkönnen, und bcdaurc Sie zum voraus, wenn Sie in die Nothwendig-keit gesetzt werde», ihm darüber ein Kompliment machen zu müssen.Indessen machen Sie ihm immerhin ein recht schönes: denn ich glaube,er verziehe einem eher, der au seinem Charakter etwas auszusetzen fände,als an seinen Komödien, Auf der Seite macht sich der Mann rechtlächerlich, ES dauert mich, weil sonst die ganze Stadt ihm das Zeug-niß eines rechtschaffnen ManncS beylegt. Ri-dcl muß seine schwacheSeite auch schon kennen. Wie ich höre, soll er bey der VorstellungdeS neuen G" Stücks in einem Athem wcggcschrien haben- vortref-lich! göttlich! vermuthlich auS Dankbarkeit.

Von Ihren Angelegenheiten habe ich nicht ein Wort gehört. IhreVermuthungen können wohl gegründet sevn; nicht bev dem nculichcnBrief, aber bev dem, der schon vor einigen Jahren an Sie ergangenseyn soll. Denn damals hatte noch einer die Hand mit im Spiele,der Sie gewiß nicht nahe bey sich wünscht, weil er Ihre Vorzüge nurgar zu wohl erkennt, ob er sie gleich nicht cingcstcht. Der Brief,den Sie mir an G- einschließen wollen, wird mir vielleicht Gelegen,heit geben, von der Sache mit ihm zu reden. Wen» der mit derSprache heraus will, so kann ich am besten erfahren, ob einmal ernst-haft darauf gedacht worden, oder nicht. Und macht er den Geheim-iiißvollm, so will ich sonst wohl dahinter kommen- Sie Können leichtdenken, daß mir daran gelegen ist.

A... ist nicht hier, und unter so vielen, bey denen ich »ach ihmgefragt, kennt ihn kein Einziger, außer S., der sagt: er sey Obristerund ein sehr stolzer Mann. Das Ucbrige, was er noch von, oder viel-mehr gegen ihn, sagen möchte, drückt er mit einem Achselzucken aus.Ich habe mehrmals gemerkt, daß man über keinen, der sich anmaßt,Schriftsteller zn seyn, S*" Urtheil einholen muß; denn die sind ihmalle ein Dorn in den Augen, und das Urtheil, das er über sie fällt,ist allezeit trüglich. So möchte das von A -.. auch seyn.

Kürzlich habe ich die Bekanntschaft von Madam Huberlnn ge-macht, und an ihr eine recht scharmante Frau gefunden. Sie hatversprochen, mich nächster Tage zu besuchen. Es wird mich freuen,wenn sie Wort hält.

WaS meinen Sie? von ihr habe ich gehört: die Hcnselinn habesich mit Seylern wollen trauen lassen, cS sey ihr aber abgeschlagen,und man würde es auch nimmer zugeben, ob sie sich gleich noch viele