Briefe an Lcssing. 1772.
411
Ebcrten die Reise nach Hamburg gemacht. Beides die Zerstreuung undBewegung hatten Sie sicherlich kurirr. Folgen Sie meinem Rathe undthun Sie es noch. Oder machen Sie eine andere Reise. Die aufhier möchte ich Ihnen nicht rathen/ wenn Sie anders noch einmalfür den hiesigen Ort bestimmt sind. In meiner Gesellschaft müßte erIhnen durchaus zum Ekel werden. Mir ist er es sv/ daß ich Gott auf den Knieen danken würde/ wenn ich ihn diese Stunde verlassenkönnte/ um ihn auf nimmer wieder zu sehen. Aber freilich mag cSwohl weniger an dem Orte/ als an den Umständen liegen, worinnich jetzt bin. Ich erinnere mich noch wohl der Zeit/ da ich lieber anjeden andern Ort gegangen wäre als nach Hamburg , und wenn eSjetzt auf meinen Willen ankäme, so vertauschte ich Hamburg nur miteinem einzigen Ort in der Welt/ den ich Ihnen wohl nicht zu nen-nen brauche.
Von V" höre und sehe ich nichts. Man sagt aber neuerdingsW- werde auf hier berufen. So viel ist sicher: daß er mit Sonnen-fclS fleißig Briefe wechselt/ doch glaube ich nicht, daß cS diese Ursachezum Grunde habe.
Für die mir mitgetheilte Neuigkeiten von Hamburg danke ich. —ES war mir keine angenehmer/ als die/ daß AlbertiS Tochter versorgtwird. Wie gehet cS denn der Mutter mit den übrigen Kindern? Ha-ben sie auch ihre Versorgung? — An der Heirath mit der Mumsenund Matsen habe ich nichts auszusehen, als daß sie zu ungleich anJahren ist- Sie muß wenigstens acht Jahre älter seyn als er. Sonstsind cS beyde ein paar rechtschaffene Leute/ die einander würdig sind.
Bei Gelegenheit erkundigen Sie sich doch genau, wie die Sachenvon T- d. h. stehen. Ich habe zwar keinen großen Posten an ihnenzu fordern, allein ich verliere so viel kleine Posten, daß am Ende nichtsfür mich über bleibt.
Die gute Z. dauert mich um so mehr, weil ich mich, wie ichglaube, nicht irre, wenn ich in die Beständigkeit des Herrn W** keingroßes Vertrauen setze. WaS meinen Sie?
Und was meinen Sie? hätte ich nicht Ursache mit Ihnen zu zan-ken, über die Unschlüssigkeit, worinne Sie gewesen: ob Sie mir IhrPortrait schicken oder nicht schicken wollten? Ich hoffe die Sache hatsich zu meinem Besten entschieden, und cS ist unterwegs, sonst wahr-haftig! bereden Sie mich nimmermehr, daß Ihnen das Meinigc soangenehm gewesen. Vergessen Sie nur auch nicht, daß mir das Ori-ginal von Grafen gehört. Sie haben cS mir ausdrücklich zugesagt.Nun, mein Freund, leben Sie wohl, und da Sie überzeugt sind, daß