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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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423
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Briefe an Lcssiiig, 1772.

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Einige hundert Exemplare sind mit der Post verschrieben, davonder Erzbischoff allein dreyßig bestellt haben soll; vermuthlich, um sie zuverschenken.

Eben auf den Erzbischoff soll auch eine Stelle aus dem Briefegehen. Nemlich diese: Der grüne Hut habe ihm viel zu schaffengemacht/ aber der rothe noch mehr. Welch eine Prahlercv! wederder eine noch der andere Hut haben ihm viel zu schaffen gemacht; wohlaber sein unerträglicher Charakter und böses Herz.

Seine Frau bedaure ich von ganzer Seele- Um ihretwegen binich der Rloyinn so böse, wie möglich. Wenn auch die äußerste Nothsie zu HerauSgebung der Briefe gebracht hat, so verzeihe ich es ihrdennoch nicht.

Der jetzige Censor/ Regimentsrath Hägelin, hat Bedenken ge-tragen, sie frey zu geben, allein der St°° G°° hat die Verantwor-tung ganz auf sich genommen.

Gestern hörte ich Mamsel Jaquet erzählen: Sie wären ein sogroßer Vertheidiger der Madam H,, daß Sie hierher geschrieben hät-ten: Sie wüßten nicht, wie Sie das hiesige Theater beurtheilen soll-ten; entweder müßten die hiesigen Schauspielerinnen lauter Göttinnen/oder auch Kreuzer-Spielerinnen seyn, weil eine H. nicht unter ihnengefallen könne. Schreiben Sie nur ferner so was, so werden Sievon Madame Huberinn schön aufgenommen werden. Seirdem ich inihrer Gegenwart die Parthie der H. genommen/ sieht sie mich mitganz andern Augen an, wie sonst, und besucht mich auch sogar nichtmehr. DaS ist der einzige Fehler/ den ich bis jetzt an der Frau kenne,daß sie das Lob Anderer nicht vertragen kann.

Seit drey Wochen habe ich keine Briefe von Hause. Ich weißnicht, was ich davon denken soll. Von allen schönen Hamburger Frauenhat mich der neu angekommene Englische LcgationS-Sekretair, HerrE., gestern über zwey Stunden unterhalten. Die Madam S. hatihm ganz besonders gefallen. Er ist von meinem Geschmack; ichzöge sie auch allen andern vor. Ich hätte ihn gern nach der Gr.Schwangerschaft gefragt; er war mir aber zu der Frage zu jung. Istdenn würklich was daran?

Ihre Corrcspondenz mit Hamburg muß denselben Gang gehen,wie die mit mir, weil Sie mir von daher nichts Neues mehr schreiben.WaS macht denn der Vetter? Er wird wohl immer reicher. Wenig-stens sagt man hier- daß das dortige Lotto sehr gewinnt. Nun meinSchwager in Hamburg ist, werde ich von daher mehrere Neuigkeitenhören. Wen» nur gute! Sie wissen, ich habe einen AbndungSgcist,