427
rathen habe/ weggestrichen werden müssen, damit sie den Setzer nichtirre machen. An ein paar Stellen weiß ich dock nicht/ was derSchwamm recht abwischen soll — doch darum hat sich der Abschreibernicht zu bekümmern. Genug wenn Sie cS lesen und verstehen können.Leben Sie wohl, mein liebster Lessing, und schicken mir sein, so baldes fertig ist, ein Exemplar von Ihren Entdeckungen ».
Schmid.
Braunschweig , d. 14. Jan. 1773.
Mein liebster Lcssing!
Seyn Sie für das mir zugesandte gelehrte Geschenk vielmals be-dankt. Wenn niemand in ganz Deutschland sie ganz durchlieft, undalles in diesrc Schrift begierig verschlingt, so thue ich es gewiß. SolcheLeckerbissen kommen mir nicht alle Tage; sie schmecken mir gut, undbekommen mir auch wohl. Sollte mir etwas in dieser Schrift anzu-merken vorfallen, so theile ich es Ihnen gewiß mit.
An das Manuscript werde ich mich so bald machen, als ich kann.Ich werde mich bemühen, eS so zu machen, daß Sie mit Ihrem Cal-liopiuS abermals zufrieden sind. Von einer Vergeltung der bischenHandarbeit wird alsdenn erst die Rede seyn, wenn ich es Ihnen sozuschicke, daß Sie es brauchen können. Ich denke dieß soll eben nichtsehr lange mehr dauern. Indessen muß ich mich doch auch nicht über-eilen; weil ich schon einige Krickcleven in dem Manuscripte sehe, dieich doch zu überwinden hoffe.
Herr Koch will doch seinen PbädruS nicht abstehen. BringenSie ihn also einmal mit. Leben Sie wohl, mein liebster Lessing.Mein Collcgium ruft mich.
Schmid.
Liebster Bruder,
Die Doratschen Fabeln kann ich Dir noch nicht schicken. Alle,die in meiner Krankheit zu mir kamen, kennen sie entweder gar nicht,oder nur dem Titel nach, und ich bin heute zum erstenmal ausgegan-gen. Voß, der.sich Dir bestens empfiehlt, verschreibt sie Dir. — Wobleiben aber Deine Beyträge? Ich kann Dir nicht sagen, wie begie-rig ich darauf bin. Ich sehe nichts Neues, und zu erwarten habenwir auch nichts, als eine Oper von Wicland. DaS Theater scheintmir eben nicht sein Ort zu seyn.