Druckschrift 
Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
429
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Briefe a» Lessing . 4773. 429

geflößt oder ein wenig eingeschlagen worden. Jeder andere Unbefan-gene sagt: braucht cS Beweis, daß zwevmal zwey vier ist?

Mcil hat die ' >en Gemmen nun fertig gezeichnet. Er hat sieaber auf Eine Platte gebracht, und fragt daher, ob Du jede besondershaben willst, und wie groß der Umfang von jeder scvn soll; damit ersich beym Zerschneiden der Platte darnach richten könne. Auch willer gern wissen, was für Steine diese beyden Gemmen gewesen.

Voß ist ein Ungläubiger, und denkt, Deine Beyträge kostetenDir weit mehr Arbeit und Anstrengung, als die Herausgabe Deinerkleinen Schriften. Du siehst wenigens daraus, daß er gern einenTheil von Deinen kleinen Schriften zur Ostcrmessc haben möchte.Was sich thun läßt, weiß ich, thust Du.

Und um deswillen wünsche ich Dir auf sechs Wochen meine Re-ligion. In etlichen Tagen mehr.

Karl.

Liebster Lessing !

Ich darf sagen, daß ich hurtiger bin, die Aufträge meiner Freundeauszurichten, als ihnen davon Nachricht zu geben. Ich habe Ihremuthwillige Svdttcrcy über die Salbung u. s. w. den guten H. nichtentgelten, sondern ihm vielmehr Ihre völlig orthodoxe Menschenliebeund Freundschaft gegen ihn zu statten kommen lassen. Der E- P.hatte seinen Brief noch neben sich liegen. Ich las ihm einen Theildes Ihrige» vor, weil ich versichert war, daß diß jenem noch mehrhelfen würde, als sein eigner, und ich irrte mich auch nicht. Er ver-sprach alles für ihn zu thun, was er könnte. Er kann aber nichtsmehr als ihn dem Conststorio empfehlen; denn das hat ohne Zweifeldie Superintcndur zu vergeben. Noch ehe ich davon anfing, bezeugteer mir sein großes Vergnügen über das, was er in Ihrem Beytraggelesen hatte. ES war der Artikel von Leibnitz . Ich wünschte, daßer auch die Vorrede (ein Meisterstück von Vorrede) gelesen habenmöchte; und er hatte sie gelesen. Er bewunderte den Geist des Ver-fassers (dieß sage ich mehr zu des erster» als zu des letztem Ehre) undwar darüber mit mir einig, daß schwerlich jemals ein solcher tragischerDichter, ein so witziger Kopf, ein so scharfsinniger Philosoph, undein solcher Littcrator mit einander in Einer Person verbunden gewesenwären Und laß auch dergleichen Werke, i» Vcrglcichung mit größer»immer Schämme seyn: Sind es doch, dem Himmel sey Dank, keinegiftige Schwämme. Es ist wahr, daß die Eiche, woran sie zu wachsen