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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing . 1773.

die beste Wirkung davon spüren. Gott gebe, daß Sie mich dessen mitWahrheit versichern können! Wenn das aber nun auch nicht wäre, soseyn Sie doch aufrichtiger gegen mich. Ich werde anfangen zu zwei-feln, ob Sie mich lieben, wenn Sie mich nicht Ihres ganzen Ver-trauens würdigen.

Dem Herrn Prof. Zachariä und seiner Frau machen Sie rechtviele Komplimente von mir, und sagen Sie ihm zugleich, daß cS michnicht wenig verdrösse, daß er mich nicht zu seiner Hochzeit gebeten. Inder That, Sie machen eine so angenehme Schilderung von dieser Hoch-zeit, daß man sich eben in dem Zustande befinden muß, worinn ichmich befinde, um nicht alle Hochzeitgäste beneiden zu müssen. Ich hoffe,daß ich das mir Uebcrschickte richtig erhalten werde, und sage Ihnenzum voraus tausend tausend Dank dafür; auch selbst für die Saum-seligkeit, mit der Sie es übcrschickt; denn cS hätte zu keiner bessernZeit kommen können.

Von S... habe ich seitdem keinen Menschen gesehen. Aber ebenhat mich des Doctor Scip sein Sohn von Hamburg besucht, und er-zählt: die Kl. Briefe wären wieder frey gegeben. Dieß hätte demholländischen LcgationSprediger auf die Idee gebracht, auf letzterer MaS-qucrade einen Briefträger vorzustellen. Auf der einen Tasche habe ereinen Brief geheftet gehabt, mit der Aufschrift: Briefe auswärtiger Ge-lehrten an Kl-, und auf der andern: Briefe von S ... an Kl. WennS-.. da gewesen ist, so wird er sich wohl ziemlich geärgert haben.Ich kann Ihnen nicht sagen, wie die Sache für ihn abgelaufen ist,ob er so ganz ohne Verweis davon gekommen oder nicht? Daß er abereinen von Ihnen verdiente, weiß ich gewiß, und daß er sich davorfürchtet, ist auch gewiß.

Ganz umsonst hat er der Stelle nicht gleich gegen mich erwähnt,die ich nicht nur nicht ganz gleichgültig, sondern mit höchstem Acrgccgelesen habe. Was die lateinische sagen will, möchte ich wohl wissen.Wenn Sie bey kaltem Blute sind, wünschte ich, daß Sie ihm schrie-ben. ES wird ihn wenigstens abschrecke», seine heimliche tückischeKunstgriffe nicht weiter gegen Sie fortzusetzen. Ob Sie wohl thäten,wenn Sie den Brief drucken ließen? werden Sie besser beurtheilenkönnen als ich. Wenn es wahr ist, daß die Kaiserinn so übel zufrie-den gewesen ist, daß dteKl. Briefe so viel Aufsehen gemacht: so möchtedieß unsrer Absicht schaden. Und ich glaube cS fast durch das, waSSie von G... schreiben; denn der muß sicher einen Verweis bekom-men haben, wodurch er furchtsam geworden ist, und auf den lächer-lichen Einfall kömmt, seine Briefe zurückzufodern. ES ist eine Belci-