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Briefe an Lessmg. 1773.
den Verwandten als Obligationisten zukäme, wenn die BuchschuldnerSo Procent erhalten. Denn nach der Klassifikation erhalten die altenObligationen, davon der Bruder 40000 Gulden hat, ihre volle Bezah>lung. Statt dessen geht er mich, im Namen des Hrn, Sch., an, ichsollte die Verwandten bewegen, den Fremden mehr als ihnen zukömmt,zu geben: mit der Bedrohung: Hr. Sch. würde mich verlassen, wenndie Sache nicht bald zu Ende ginge. Ich war aber so schwach nicht,mich abschrecken zu lassen, sondern bin bey meinem Satz geblieben,und habe Hm- Sch. die Gründe angegeben, warum ich darauf beste-hen müßte. WaS nun geschehen wird, muß ich abwarten. Ich fürchtesehr, meine Abwesenheit wird mir große» Schaden bringen; und binnur froh, daß ich auf den glücklichen Einfall gekommen bin, ehe ichvon dem Untereinander was wußte, meine Geschwister von allem zuunterrichten. Diese Information hatte der Pr. noch nicht, und schreibtmir doch so freundschaftlich. Ich dachte gewiß, er würde mir in lan-ger Zeit keine Zeile schreiben.
Verzeihen Sie, daß Sie einen sowohl unleserlichen als unverständ-lichen Brief erhalten. Ich habe sechs Tage daran geschrieben. Wennich aber auch noch mehr Zeit darauf verwenden wollte, brächte ich dochnichts Bessers zu Stande. Schreiben Sie mir dicßmal doch unverzüglich,um mich aus den Sorgen wegen Ihrer Gesundheit zu setzen. Ich hoffe,Ihnen auch nächstens sagen zu können, daß ich wieder völlig wohl bin.
Ihre
ganz ergebeneE. C- K-
Berlin, d.
Liebster Freund,
Der Ueberbringer dieses Briefes ist Herr Cacault, ein Franzose,der sich viel Mühe um die deutsche schöne Litteratur gegeben hat. Erhat in kurzer Zeit unsere Sprache ziemlich sprechen lernen; er verstehtsie gut, und hat vieles gelesen. Er hat Ramlers Oden ins Französi-sche übersetzt'), und will sie in Paris drucken lassen.
Er ist ein ehrlicher und wackerer Mann, dessen Liebe zu unserer
°) Diese Ucbersctzung ist nachher In Berlin gedruckt worden. Der wtir-dige Cacault war 1791 Sekretär bey der französischen Ecsandischaft i» Nea-pel , von woher sein letzter Brief an mich datirt ist, darauf war er 5801 Gesand-ter zu Rom, 1802 ward er Senateur zu Paris und starb 1805. Nicolai.