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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing . 1773.

eine davon war auch/ weil ich einigen Anschein von Hofnung habe,die Tapetenfabrik gut zu verkaufen, wo ich alSbcnn auch die Sciden-fabrik angeben würde, wenn sie mir so bliebe, wie ich den Anschlaggemacht. Diese letzte Hofnung benimmt mir aber derselbe Brief, dermir die Nachricht von Ihnen gab.

Ich denke noch, daß meine Vorstellungen den Hrn. Sch. anfeuernsollen, auf mein Bestes mehr zu achten, als mein unwürdiger S . -.thut, sonst kommen meine Verwandten und ich schlecht weg. In demletztern Fall wäre ich nicht im Stande, das Werk vor der Hand an-zugeben; den» ich würde es wenigstens dahin zu bringen suchen, mei-nen so rechtschaffnen Verwandten Genugthuung zu verschaffen, wennich auch bloß für sie arbeiten, und unterdessen Wasser und Brod essensollte. Die Aussicht, die ich vor mir habe, Sie bald zu sehen, Ih-nen meine Leiden klagen zu können, ist der einzige Trost, den ich mirgeben kann, und das erhält mich auch aufrecht. Ich wünsche nur,daß diese Zeit nicht so lange mehr hinausgesetzt seyn mag. ES istmir eingefallen, ob Sie nicht wohl thäten, Fhrc Reise über Berlin

zu nehmen, um die Bekanntschaft des v. Sv----zu machen. Ich

hbre, daß der beständig mit dem Kayscr korrespondirt, und eS verstehtsich so, daß alleS, was diesen Namen führt, bev der Kavscrinn eben-falls viel gilt.

Heute wird ein neues Stück von St., dem jüngern, aufgeführtder Tadler nach der Mode, oder, ich weiß es besser eine grobe Sa-tyre auf S-, der unter dem Namen Hader auf die abscheulichste Artgeschildert wird. Die Geschichte des Stücks ist; ein dummer und rei-cher Kaufmann hat den Hader studieren lassen, und ist so für ihn ein-genommen, daß er ihm seine Tochter, sobald er eine Bedienung erhal-ten, geben will. Die Tochter sowohl, als alle seine Freunde, su-chen den Alten umsonst zu überreden, daß Hader ein schlechter Kerlsey, bis ihm zuletzt, durch Verschen eines Bedienten dieses letztern,ein Papier in die Hände kömmt, wodurch er überzeugt wird, daß erauch selbst an ihm, seinem Wohlthäter, seine boshafte Tadelsuchtausübe. Folglich bekommt er nun die Tochter nicht, und auch derHerzog bekommt Bericht von seinem schlechten Charakter und wenigenKenntnissen, und versagt ihm also auch den Dienst, warum er ange-halten. Dieß ist die Auflösung deck Stückes, das übrigens voller Epi-soden ist, worinn fast alle Stände vorkommen, die der Herr Haderalle reformircn und verbessern will- Ich habe es noch nicht im Zu-sammenhang gelesen, und werde es auch schwerlich so weit bringen.

Gestern brachte» mir die Schwestern der Fr. v. S. dieses Stück