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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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461
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Briefe an Lessmg. 1773.

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schon vor sechs Wochen erwartete; und zwar sollten Sie in Gcsell-schafft von R- und B- dahin kommen. Diese beyden fand ich nunaber gestern in einem alten Addreßblatt, worein mir jemand was ein-gewickelt sandte, ohne Sie, als angekommene Fremde angemerket, undvermuthe Sie also zu Hause, und zwar sehr ungern. Ob ich gleichgestehen muß, daß ich schon manche niedergeschlagene Stunde darübergehabt, wenn ich mir Sie in Hamburg bey meinen Kindern, bey un-sern Freunden dachte, so hätte ich doch gewünschet, Sie möchten dieReise gethan haben, weil ich befürchte, daß Sie zuletzt das anhaltendeSitzen unmöglich wieder werden aushalten können. Wenigstens hoffeich, daß Sie dem gefaßten Vorsatz nicht nachgekommen sind, Braun-schweig nicht wieder zu besuchen, bis man Sie in der bewußten Sachedahin rufet. Daß dieses noch nichr geschehen, urtheile ich schon ausIhrem Stillschweigen. Denn gewiß hätten Sie mich an Ihrem Ver-gnügen Antheil nehmen lassen, weil Sie hoffentlich überzeugt sind, daßkein Mensch in der Welt ist, der das für Sie empfindet, was ich fürSie empfinde. Es vergehet keine Stunde, wo ich nicht an Sie denke.

Nur stelle ich Sie mir leider! gar zu oft vor, wie Sie mir Ihrletzter Brief schildert. Ich habe ihn zwar auf die Seite gelegt, und nicht mit demselben so gehalten, wie mit denen vorhergehenden,die ich immer so lang las, bis ich einen andern erhielt. Demun-geachtet ist mir der Inhalt nur gar zu sehr im Gedächtniß geblieben.

Wenn ich nur das einzige wüßte, ob Sie gesund wären? Ichbitte Sie um GotteSwillen! sagen Sie mir dieses bald, wenn Sie an-ders wollen, daß meine nun wieder zunehmende Gesundheit von Be-stand seyn soll.

Alles Uebrige wird sich denn auch finden. Ich komme meinemZiel immer näher, das heißt, mein Lager zu räumen; und obschon derKauf, von dem ich neulich schrieb, zurückgegangen, so habe ich dochalle Hoffnung, durch Unterstützung des HofeS, mich der Fabrike zucntschlagen. Ich mag nur nicht hieran eher arbeiten, als bis ich mitden fremden Gläubigern völlig zu Stande bin. Bis auf zwey bin ichso weit. Diese zwey aber sind just die ältesten Freunde R undM Doch schreibt Herr Sch., daß er auch bald mit ihnen fertigwerden würde. Dieser rechtschaffene Mann fährt fort mit allein Eiferfür mich zu sorgen. Er hat nun so gar alle mein Gepäck in sein HauSgenommen. Denn, außer großen Stücken, Schreinwerk und Betten,habe ich nichts verkaufen lassen.

Wenn Sie den Pyrmontcr Brunnen trinken, so wünsche ick, daßer Ihnen so wohl bekommen mag wie mir. Ich trinke ihn bereits