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den Dienst zu erleichtern, sondern zu erschweren suchen/ und diesDiensteifer nennen. Gebe Gott / daß Du solche Menschen nicht ken-nen lernst! Zur Tragödie sind sie zu kleinlich/ zur Komödie zu mager/und im Umgange unerträglich. — Aber ich kann doch weder recht la-che»/ noch recht weinen; denn auch die Kinder weinen, wenn sie nichtihren Willen haben.
Kannst Du Dir wohl einbilden, was ich mir vorgenommen habezu arbeiten? — Eine Tragödie. — Und der Stoff? Thomas Aniello,der brave neapolitanische Fischer. Rocoles hat ihn freylich unter seineImpo8teui's iosiANL8 gebracht! Ich bin jetzt noch so voll davon, daßich Dir auch nicht einmal meinen Plan sagen kann. Aber wenn mirdas Stück nicht geräth/ so bin ich allein Schuld. Ich könnte Dichzwar mit zwey fertigen und rein abgeschriebenen Komödien von mirheimsuchen; allein sie gefallen mir nun eben so sehr, daß ich sie ausder nehmlichen Eitelkeit zurückhalte, aus welcher Andere Dir die ihri-gen zu lesen geben. Doch meine Tragödie, das versteht sich! WeißtDu aber dazu noch andere Quellen/ als den Siri/ Gazotti, Girafft?Nicht, daß mir cS an Stoffe fehlte, sondern weil ich wünsche, daßAniello so, wie ich mir ihn denke, auch in der Geschichte wirklich seynmöchte. Aber wie ich mir ihn denke, weißt Du ja nicht, und Gottweiß, ob jemals ein Mensch erfahren wird, wie er jetzt in meiner Ideecxistirt. Denn leider! habe ich bey mir schon oft die Erfahrung ge-macht, daß nach vielem Kreißen oft nur ein kleiner Wechselbalg zurWelt kommt. Doch, wie gesagt, jetzt habe ich die beste Hoffnung, dasTheater mit etwas Erträglichem zu verabschieden.
Herr Eberhard empfiehlt sich Dir, und wenn er Dir nicht mitMoseS geschrieben, so wird er cS doch ehestens thun. Herr Heynatzbittet Dich um ein oder ein Paar Manuftripte von dem Eutrop ausder Wolfenbüttelischen Bibliothek. Er will eine Handausgabe von die-sem Schriftsteller herausgeben.
Lebe recht wohl, liebster, bester Bruder!
' Karl.
Von Madamc König.
Liebster, bester Freund!
Warum vergessen Sie mich denn so ganz und gar? diese Fragehätte ich schon zwanzigmal an Sie gethan, wenn ich Sie nicht inHamburg vermuthet hätte, wo man Sie, wie mir Madam Sch. schrieb,