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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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459
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Briefe a» Lessing . 1773.

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meinem Lessing gefall-, dann werd' ich allen Kennern gefallen; undwenn er mir sagt, worin ich ihm nicht gefalle, dann werd' ich bey ei-nem zweyten Versuche mich bemühen, es besser zu machen.

Die beyden armen Mädchen, zu deren Vortheil der Preis zu 12gr. bestimmt ist, sind meinem Lessing darf ich es nicht verschwei-gen es sind die armen Schwestern des seligen Michaelis und desgutherzigen Benzlers in Lemgo .

Ich hoffe, die deutschen Damen werden diesen beyden armen Mäd-chen eine Kleinigkeit zur Ausstattung, oder zum Erkauf einer Kloster-stclle, gern zufließen lassen. Sie kennen die armen Mädchen nicht;wenn aber meine Freunde jeder seinen Freundinnen versichert, daß siegute Mädchen sind ich selbst habe sie nie gesehn; aber ich weiß, soviel man'S wissen kann, daß sie gut sind: dann, glaub' ich, werdender gedruckten Exemplare nicht zu viel seyn. Eine Berechnung desVortheils wird Herr Dohm jedem, der es verlangen möchte, sehr gernvorlegen.

Unsern Braunschweigischen Freunden send' ich Exemplare, so baldich von Leipzig welche bekomme.

Meines Lessmgs Beyträge :c. hab' ich mit dem größten Vergnü-gen gelesen; aber ich wünsche, daß er von den Schätzen aus den Zei-ten der Minnesinger uns noch Lebenden bald mehr zu betrachten ge-ben möge.

Das uns noch Lebenden, bester Freund verräth es Ihnennicht einen alten Mann, der noch gern alles mitnehmen will, was ihmin seinem Leben Vergnügen machte?

Wir wohnen einander so nahe, und sehen uns nicht! So bald ichmich losreißen kann, sag' ich zu meinem lieben Lessing: da bin ich.

Von unsers guten Petrarch Schmidt neuestem Produkt, den Ele-gieen an Minna, wollt' ich ein Exemplar beylegen. Es ist kcinSbey der Hand. Es soll nächstens erfolgen.

Gleim.

Berlin , den 12. JunluS 177Z.

Liebster Bruder,

llnscr Freund Mendelssohn bringt Dir diesen Brief. Ach! ichwollte ihm diese Mühe nicht machen; ich wollte in setner Gesellschaftseyn, ich wollte mir, wie man zu sagen pflegt, auf meinen eigenenLeib etwas rechts zu Gute thun. Allein zum erstenmal erfahre ich,daß mein Dienst doch nur Sklaverey ist; daß wir Menschen uns nicht