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Briefe an Lessmg. 1773.
Braunschweig , d. 47, Map 4773.
Verzeihen Sie mir, mein liebster Lesslng, einen kleinen Austrag.Eben erhalte ich einen Brief von dem alten Pastor Lemker, der ausder Reusmannischen Auction paZ. 170 u. 1-3. den Bayle für 4 bisS Rthlr. zu erstehen wünschte. Sie schicken ja doch wohl einen Men-schen hin, der diese Commission mit übernimmt.
Noch eines. Ich erinnere mich, daß Sie einmal die Ausgabedes Arrian, die ich in Holland herausgegeben, zu besitzen wünschten.Jetzt können Sie sie p. 102. o. 382. erstehen. Ich erinnere mich,daß ich sie ehedem dem sceligen Besitzer geschenkt, da sie herauskam.Doch ich glaube Sie haben dieß Buch nicht übersehen. Leben Siewohl, ich wünschte herzlich Sie bald zu sprechen.
Schmtd.
Halberstadt , den 19. May 1773.
Auch Ihnen, mein bester, mein theuerster Lessing, wollt' tch'Sgeheim halten, daß im letzten Winter eine vaterländische Muse mich(wenn das zu sagen nicht zu stolz ist) begeistert hat, Ihren Dich-tern des dreyzehntcn Jahrhunderts einige Lieder in unsrer härternSprache nachzusingen.
Auch Ihnen, sag' ich; denn es war nicht möglich, Sie darüberzu Rathe zu ziehen, Ihnen die Handschrift, ehe sie gedruckt wurde,zum Durchsehen zu schicken, und die Zurückscndung zu erwarten. DieZeit dazu war nicht vorhanden. Ich hatte mit Herrn Zvohm in Leip-zig bey seinem Hierseyn die Besorgung des Drucks verabredet; erdrang auf die Einsendung der Handschrift, wenn, nach meinem Ver-langen, der Druck noch zu rechter Mcßzeit geendigt werden sollte. —
Das kleine Vergnügen, alle meine Freunde zu überraschen, odersie den Verfasser errathen zu lassen, dieses kam dazu; folglich solltenur Herr Dohm das Geheimniß wissen. Durch einen gewissen Zufallwürd' es dennoch verrathen; und nun, theuerster Freund, da zumalder Druck, alles Bemühens ungeachtet, zu spät fertig geworden, undin Absicht auf die Menge der Druckfehler nicht zum Besten ausgefal-len ist nun gereuet cS mich, meinen lieben Lessmg, den Minne-singer, nicht zu Rathe gezogen zu haben; — nun ist er der Erste, demich mich selbst verrathe, wenn nicht Freund Zachariä schon Verräthcrgewesen ist; und wenn dieses wäre, so ist er doch der Erste, der einExemplar aus meiner Hand empfängt.
Ich eile, es mit der heutigen Post abgehen zu lassen. Wenn ich