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doch nur der Gelehrte zu nennen wäre, der uns den Genuß diesesGutes verschaffen könnte! Da Sie einmal so tief in die Litterärge-schichte der äsopischen Fabel eingedrungen sind: sollten Sie uns nichtbillig einmal die Uebersicht vom Ganzen geben? Und da Sie die Ab-schrift der Frau Prof. Reiske in Händen haben, was kann man danicht alles für Forderungen an Sie machen! Daß des Herrn Pro-fessors Reiske Werth auch durch Sie dem undankbaren Theile unsersZeitalters unter die Augen gestellt wird/ freuet mich allzeit.
Damit ich über den Pindar lesen könnte, habe ich, weil eS anExemplaren fehlte, die Thorheit begangen und angefangen, ihn seitMichaelis abdrucken zu lassen. Ich nenne es eine Thorheit: weil ichnicht beym bloßen Abdruck bin stehen geblieben. Ich fand über denText so wenig Bestimmtes: nichts von den Quellen deS Textes; unddann sah ich wohl, wollte ich im Jntcrpretiren fortkommen, so mußteich das Kritische ganz absondern. Gut, dachte ich; das werfe ich indie vi>rias IvoUories. Aber hier sehe ich, haben die Oxonierilosschreckliche Arbeit gelassen. Da ist doch unser Erasmus Schmid einganz anderer Mann! Die Ausgaben, auf welche etwas anzukommenscheint, habe ich bey der Hand. Nun führt Fabricius Lidliotd.<?rseca noch eine Florentinische an, von der ich nichts finde, unddie, wie ich glaube, nicht vorhanden ist. Sollten Sie wohl dort Gc«gencrläuterung finden? So soll auch bey Morcll 1358. 8. eine Aus-gabe mit Schölten seyn; auch daran zweifle ich.
Ich hoffe, daß Sie das Vertrauen zu meiner Ergebenheit hegen,daß ich mir ein Vergnügen daraus machen werde, Ihnen von hierausmit einem und dem andern Buche zu dienen, das Ihnen abgehen kann.So enthalte ich mich kaum, Ihnen des Iluek. ootas in p-mlum 8i-lentinnum zuzuschicken. Mit vollkommenster Hochachtung tc.
Heyne.
Braunschweig , d. 28. Juni 1773.
Sie werden mit der heutigen Post die Anmerkungen zu SturmSLebe» erhalten. Ich lese jetzo Leibnitzcns Briefe zu meinem Zeitver-treibe, und weide mich aufs neue an der vortrefltchen DenkungSartdieses großen Mannes. Doch das brauche ich Ihnen nicht vorzuvre-digen. Sie haben ihn, so wie alles, besser studiert, als ich. Nun ge-haben Sie sich wohl, mein bester Lcssing.
Schmid.