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Lehrt sie nicht, unter anderem was über die Vernunft ist/ der Liebezu Gott sein zeitliches und ewiges Glück aufzuopfern? ES ist freylichein Widerspruch darin, aber ein desto erhabnerer Gedanke! Und indem lyrischen Schauspiele muß die größte Erhabenheit herrschen. Beyherbemerkt! ie höher wir die Großmuth in Schriften treiben/ desto mehrstreift sie sich im gemeinen Leben ab.
WaS denkst Du von KlopstockS Gelehrten-Republik und seinem Vor-schlage? ES wäre wohl nichts billiger/ als daß die Gelehrten mit ihrenBüchern mehr gewönnen; eine Aenderung darin wird aber schwer halte»/und dieser oder jener Gelehrte, der sie versucht, wird zu kur/kommen.
Wider KlopstockS Plan habe ich das, daß er ihn bekannt macht,und daß sich nicht im Stillen die besten deutschen Schriftsteller verbin-den, eine kleine schon etablirte Handlung zu kaufen, sich heimlich inihrem Namen um allgemeine Privilegia für ihre Bücher bewerben,und dann durch einen Faktor verkaufen lassen. WaS können die Buch-händler dagegen machen? Aber so kann jeder bey seiner LandeSobrig-kcit vorstellen, daß er leben müsse; er wird das erste beste Buch nach-drucken, und für den Druckerlohn verkaufen. Oder seyd ihr HerrenGelehrten von Deutschland so reich, daß ihr zusammen so viel wagenkönnt/ als die reichsten Buchhandlungen in Deutschland ? Und wäretihr auch so reich, so habt ihr doch nicht ihren Kredit. Denn Ruhmund Kredit sind wie Himmel und Hölle unterschieden! Wenn daS gleicheine nichtSwürdigc DenkunqSart ist, so bleibt sie doch gang und gebe.Ihr sucht jetzt nur, was Euch gehört, und ich wette, bald wird maneuch verschreyen, ihr suchtet nur den Buchhandel zu ruiniren. Zudemkömmt auf die einzelne Veräußerung daS meiste an, wozu doch noth-wendig Buchhändler nöthig sind; oder etliche von Euch müßten selbstBuchhändler in verschiedenen Städten werden. WaS Klopstock inseinem Plane von den Liebhabern sagt, die sich zu Corrcspondcntcnaufgeworfen, ist nicht practicable, wenn cS ins Große geht. Kurz, eswird Euch gehen, wie Leuten, die Recht haben, aber ihr Recht nichtgeltend zu machen wissen. Ich glaube, in der Handlung ist eS einervon den ersten Grundsätzen, daß man in der Stille anfängt, dem In-teresse der Reichen nicht entgegen zu arbeiten scheint, sich mit ihnenselbst vereinigt, und nach und nach sie dahin stößt, wo sie eigentlichseyn sollten. Sie müssen, so zu sagen, zu ihrem Schaden und un-wissend selbst Hand anlegen. Aber KlopstockS Plan ist so treuherzigund offen, daß er nur in einer andren Welt glücklich auSschlagen kann.Die Buchhändler übertreffen den Schriftsteller an Finesse. Reich sollmir gleich zum Beyspiel dienen. Wieland hat seinen Agathon für