Druckschrift 
Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
491
Einzelbild herunterladen
 

Briefe cm Lessing . 1773-

Bcaunschweig, d. 1Z. Oecemb. 1773.

Ich schicke Ihnen auf Ihr Verlangen, die Verse, die meine liebeVorleserin»! Ihnen hier vordeclamirt, und nun auch abgeschrieben hat.Ich wollte, ohne die allen Verfassern beynahe so gewöhnliche Grimassevon Bescheidenheit zu machen, daß Sie mein Werkchen der Dame,die es zu sehen so gutherzig wünscht, selbst vorlesen könnten; so lieftdas freundschaftliche Späßgen (mehr ist eS doch nicht) vielleicht nochmit durch. Was wird aber daraus werden, wenn Sie es gar auchnoch einmal lesen? Himmel! ich sehe nicht dahin! Genung Sie woll-ten es haben; da haben Sie eS, und Sie mögen bey der Dame anmeiner Stelle roth werden. Ich weiß von nichts, und rauche viel-leicht eben zu der Zeit mein Pfeifchen. Von einer baldigen Reise zuIhnen kann mich nur deS Himmels Gewalt oder Ihre Entschließungzu uns zu kommen, abhalten. Wer nur erst auf dem Wagen säße!Denken Sie unterdessen an

Ihren,c.

Schmid.

Braunschweig , d. 18. Dcc. 1773.

Ich schicke Ihnen den beylegenden Brief (den ich mir wiederauSbitte) zu dem Ende zu, damit Sie eS nicht vergessen, daß H. amDonnerstage seine Gesangbücher abholen wird. Sie haben wohl anwichtigere Dinge zu denken, als eben an die alten Schnurren! Viel-leicht können Sie auch aus den Nachschriften lernen, daß Jacobi derVerfasser deS Werks gegen das Pfälzisch lutherische Pabstthum ist.Vielleicht ist auch die Uebersendung des Briefchens ganz überflüßig.Mags immer! So habe ich doch wenigstens an Sie geschrieben, daich Sie doch bey Ihrer letzten Anwesenheit zu sprechen nicht Gelegen-heit gehabt. Kommen Sie mir künftig wieder, so müssen Sie mirnicht so entwischen. Eschenburg und Leiftwiz grüsscn Sie. GehabenSie sich fein wohl.

Schmid.

Von Madame König.

Wien , den 23. Dec. 1773.

Mein liebster Freund!Ohne Ihre Antwort abzuwarten, hätte ich gewiß den dritten Briefnachgeschickt, wen» ich nicht in gleicher Verfassung gewesen wäre, in