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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lcssing. 1774.

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vornehmen/ Rcvercnzc zu machen. Wenn diese ihren Endzweck errei-chen, so bringe ich cS wenigstens so weit, daß meine Verwandtenohne Schaden bleiben, das ist das Einzige, wornach ich jetzt strebe.Wie cS mir ergehen wird, darauf denke ich nicht. Nicht aus Unbe-sonnenheit, sondern weil ich rasend würde, wenn ich diesem Gedan-ken öfters nachhiengc. Er kömmt mir auch nur selten, und ich dankeGott , daß ich es so weit gebracht habe. Mein Schwager hat, seinemletzten Briefe nach, wohl ein Vergnügen gehabt, warum ich ihn be-neide; nehmlich dieses: Sie zu sehen. Ob er Ihnen gesagt, daß ihmmein Heydelbergcr Bruder die erste Stelle beym Mannheimer Lotto,die sehr einträglich scvn soll, verschaffen will, und ob er Lust hat, sieanzunehmen, verlangt mich zu hören. Ich besorge, ich besorge, daßsein Hang für Hamburg ihn abermal eine Sottise begehen macht.Apropos von Manhcim, wissen Sie denn schon, daß der Churfürstverschiedene geschickte Gelehrte beruft, um die Heidelberger Universi-tät damit zu zieren? und zwar sieht er nicht auf die Religion. Manhat mir keinen genennt, als meinen Bruder, dem man nun zum zwey-tenmal den Antrag macht, den er aber sicher nicht annehmen wird;es wäre denn, daß er glaubte, die Vatcrlandsluft sey seiner Gesund-heit zuträglicher. Ich wünschte es zwar, weil cS nun das Ansehenhat, als ob auch ich darinnen leben müsse. Hätten Sie nicht auchLust, dorten eine Professur anzunehmen? Wenn das wäre, so müssenSie mir nur sagen, wie und auf was Art, so wollte ich die Anlei-tung dazu geben, und der Prof. M, dessen Sie sich erinnern werden,würde mit Vergnügen die Hand dazu bieten. Würklich habe ich imErnste darauf gedacht, wie ich nur vom Bruder hörte, daß man aufgeschickte Männer sänne, die man berufen wolle, und habe ihn auchsogleich gefragt: von welcher Gattung man sie suchte? worüber er mirvermuthlich in einigen Tagen Antwort geben wird. Vielleicht lachenSie über meinen Einfall; allein er wäre so uneben nicht, wenn Sieihn genehmigten und er erfüllet würde. Es ist doch rühmlich vomChurfürsten, daß er die Schätze der Jesuiten so nützlich zu verwendensucht. AuS dem Ucberschuß von ihren Einkünften sollen die Salariabcstrittcn werden.

Die hiesige Schaubühne wird den zweyten Ostertag mit einerneuen Tragödie von Staatsrath Geblcr crbfnet. Vermuthlich hat ersie Ihnen schon geschickt; ich weiß nicht einmal, wie sie betitelt ist, sowenig bekümmere ich mich um das Theater. Weil es Schande gewe-sen wäre, so lange hier gewesen zu seyn, und kein Novcrrischcs Bal-let gesehen zu haben, habe ich das letzte, so er gegeben, die Horazicr