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Briefe an Lcssmg. 1774.
mit angesehen, und muß gestchen, daß es mir gefallen hat, aber nochweit mehr gefallen haben würde, wenn alles harmoniert halte. DasTheater hatte nicht Raum genug, und dann so stachen die Dccoratio-ncn mit der Kleidung, die sehr prächtig war, so sehr ab, daß cS an-stößig war.
Das spaßhafteste war der Lermen nach dem Beschlusse, wo Par-terre und Gallerie mit Heller Stimme eine Viertelstunde lang Noverrc,Novcrre! rief, bis er sich endlich zeigte, und einen Bückling machte.Wäre er nicht erschienen, ich glaube, sie hatten daS Theater gestürmt.Ich habe mich nicht wenig gewundert, daß in Gegenwart des Kai-sers ein solches Getöse entstand.
Um nun von einem braven Mann auf einen Stümper zu kom-men, auf S-, so kann ich Ihnen sagen, daß der nun vollkommen un-terrichtet seyn wird, wie Sie von ihm denken; denn Müller, der Ac-teur, mit dem Sie von ihm gesprochen, hat getreulich der ganzenStadt erzählt, wie Sie sich über ihn ausgedrückt, und S. hat zuviel Ueberträger an der Hand, als daß es ihm nicht zu Ohren gekom-men seyn sollte. Wiewohl er gegen mich sich noch nichts hat mer-ken lassen.
Was machen die jungen Ehelcute, Prof. Z., E-, und Kammer-Herr K- Sind sie vergnügt, und geben sie dem Prediger was zu ver-dienen? Machen Sie ihnen bey Gelegenheit meine Empfehlung. UmwaS ich Sie nochmals ans das dringendste bitte, ist: daß Sie michnicht länger auf Briefe warten lassen, die mich Ihres Wohlseyns, Ih-rer Zufriedenheit und Freundschaft versichern, sonst werde ich nichtlänger bleiben
Ihre
beste FreundinnE, C. K-
Liebster Bruder,
Wenn ich mich so lange des Vergnügens beraubte, Dir zu schrei-st dachte ich auf das größere, Dich zu besuchen. Aber eS ist mir fürdiesen Sommer zu Wasser geworden; und wenn ich mich nicht tröstete,Dich binnen zwölf Monathen sehen zu können, es sey nun wo es sey,so würdest Du heute eine Menge Klagen von mir hören.
Hier erhielt die Vorstellung des Götz von Berlichingen gro-ßen Beyfall. Die Hauptrollen der Mannspersonen wurden in der