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nicht ein. Das Theatralische ist Dir zum Ekel geworden? Betrachtees als etwas Kritisches.
Den Masanicllo habe ick) nicht aufgegeben, sondern nur für jetztweggelegt, weil ich auS eigner Erfahrung weiß, daß man das, wasman im ersten Entwürfe gut findet, ein Jahr später selbst verachtet.Die mir versprochenen italiänischen Schriften über Masaniello'S Tu-mult, bitte ich Dich, mir mit erster Post zu schicken, wenn eS nurnicht des Ritters <1'Lc>n I^oisiis sind. Dieser behauptet, Spanien habemit Fleiß den Tumult nicht dämpfen wollen, um den Adel desto mehrherunterzubringen. Solche Folgerungen lassen sich auS jeder Begeben-heit ziehen, wenn gleich nie daran gedacht worden ist.
Moses weiß sich keiner andern Anmerkung über proselvlss porigezu erinnern, als die in dem Fragmente über die Duldung der Dcistensteht. Er wünscht Dir eben so von Herzen Heiterkeit, als er sich gei-stigc Gesundheit wünscht. Denn er darf nicht eine Stunde lesen, soempfindet er eS auf eine Woche.
Aber, mein liebster Bruder, was willst Du mit Deinem: „ichsehe meinen Untergang hier vor Augen?" Ich will mit Fleiß nicht andie verschiedenen möglichen Erklärungen davon denken, um mir keineunangenehmen Tage zu machen. Deine Aussichten können sich >a aufeinmal verbessern, ob es gleich jetzt keinen. Anschein dazu hat.
Ihres Schriften sollen, wie cF heißt, »och vor Wevhnachtcn her-auskommen, und da werde ich sie Dir gleich schicken. Mit erstemPosttagc ein MehrercS! Lebe nur recht vergnügt!
Karl.
Äon Madame König.
Wie ist eS möglich, wie ist es nur immer möglich, mein lieber,bester Freund, daß Sie mir in so vielen Monaten auch nicht eineZeile schrieben. Vergebens schicke ich täglich, in der Erwartung einesBriefes von Ihnen, auf die Post. Niemals kommt einer. Haben Siesich vielleicht vorgenommen, gar nicht mehr an mich zu schreiben; somelden Sie mir wenigstens das, damit ich mich nicht mit vergeblichenHofnungen quäle.
Wenn mir nicht der Herr von Herrmann angezeigt hätte, daß erSie vergnügt und gesund gesehen habe, so wäre ich besorgt, Sie müstenkrank seyn; so aber weiß ich nicht, was ich denken soll. Zuweilen