Druckschrift 
Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
524
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Z24

Briefe an Lessing . 1776

Stunde gesund gewesen, und es auch noch nicht bin. Doch bessert essich. Vor drey Tagen wäre ich noch nicht im Stande gewesen, nureine Zeile zu schreiben. Ihr Brief hat mir viel Kummer gemacht,weil ich aus demselben schliesst, daß Sie immerfort mißvergnügt sind,und leider! wohl auch Ursache dazu haben. Warum sagen Sie miraber nicht die Ursache! Sie wäre ja vielleicht noch zu heben. Münd-lich hoffe ich mehr Vertrauen bey Ihnen zu finden. Wer weiß zwar,ob ich Sie auch wohl zu sprechen bekomme, weil Sie eine Reise vor-haben, und meine Umstände noch nicht so sind, daß ich meine Abreiseso bestimmen könnte. Ich habe noch viel zu thun, denn alles ist lie-gen geblieben. Sollten Sie verreisen, so bitte ich mir die Freund-schaft zu erweisen, cS mir zu melden, damit ich alsdcnn einen andernWeg als über Braunschweig nehme. Denn dahin zu kommen, undSie nicht zu finden, könnte eben keine gute Folgen für mich haben.Eben war mein rechtschaffener Doktor der Herr von Haen bey mir,und hat mich versichert, daß es sich jetzt recht geschwinde bessern würde,und ich noch vor Ostern zu Hauße seyn könnte. In Nervenzuständenlaßt sich eben nicht so leicht waS bestimmen. Indeß will ich es zumeiner Beruhigung glauben. Ich wende meinerseits alles an, um cSdahin zu bringen Taglich brauche ich für zwey Reichsthaler Medi-cin . Sagen Sie niemanden waS von meiner Krankheit, damit eS nichtetwan nach Hamburg kömmt, daß ich so übel gewesen bin. Meine ar-men Kinder würden sich nur beteüben. Sie werden so schon in Sor-ge» gewesen seyn, weil ich so lange nicht habe schreiben können.

Leben Sie wohl, bester, liebster Freund, und erhalten Sie michin Ihrer Freundschaft, die mir über alles schätzbar ist. Wenn Sie ei-niges Mitleiden mit mir haben, so schreiben Sie mir bald. Ich binunauSgesetz.

Jhr-

ganz ergebeneK.

Von Madamc König.

Mein liebster Freund, ich habe nur eben eine halbe ViertelstundeZeit, wenn ich mit heutiger Post Ihnen sagen will, wie sehr ich michfreue Sie zu sehen, und doch wollte ich die heutige Post nicht um vie-les versäumen. Denn ich muß Sie inständigst bitten, Ihren Aufent-halt in Dresden zu verkürzen, und lieber dasige Geschäfte bis zumRückwege zu »ersparen. Ihnen zu Gefallen bliebe ich gerne hier; dennwas thäte ich Ihnen nicht zu gefallen? Allein ich habe erst gestern die