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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lesstng. 1775.

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Berlin , den 19. Januar 1775.

Liebster Bruder/

Welche Freude, daß Du in Kurzem in Berlin seyn willst! Wennes angeht, so melde mir doch den Tag Deines Eintreffens. Da Dunur ein kleines Logis verlangst/ so dächte ich, Du machtest mir dasVergnügen, und logtrtest bey mir. Ich wohne seit einem halbenJahre in der alten Leipziger-Straße in D. Kurellas Hause. ES sind zwarnur zwey kleine Zimmer/ die ich Dir einräumen kann/ und Du kannstauch bey Herrn Voß so viel Stuben haben, als Du willst; aber bleibbey mir! Du sollst alles zu Deinem Empfange bereit finden.

Ich kann vor Freude/ Dich bald umarmen zu können, nicht anDeiner unangenehmen Lage Theil nehmen, die Dich hierher bringt:und wenn Du so gern kommst, als ich Dich erwarte, so soll Dir dochDeine unangenehme Lage hier erträglich werden/ wenn sie auch keinebessere Richtung bekäme. Komm nur gewiß! Eine glückliche Reiseund vornehmlich eine baldige Ankunft!

Karl.

Liebster Lessing !

Da ich eben diesen Morgen im Begriff war, Sie zu besuchen,(denn eher haben cS mir die Zerstreuungen der Messe nicht erlaubt)kam unser Zachariä zu mir, der mir sagte, daß Sie schon wieder inWolfenbüttel wären. Ich schicke Ihnen also den Brief, den ich Sieder Fr. Dr. Rciskc zu überbringen gebeten, mit der Post. Reisen Sieglücklich/ trotz allen schlimmen Wege»/ und seyn Sie vergnügt/ woSie sich auch befinden mögen, trotz Ihrem eignen Sinne. Aber den-noch wünsche ich auch, daß Sie, so bald als möglich, wieder zurück-kommen mögen, trotz allem, was Sie anderswo fesseln könnte. Erin-nern Sie sich wenigstens überall, daß Sie nirgends aufrichtigereFreunde und Verehrer finden können, als Sie hier schon haben, undunter diesen

Ihren

Braunschw-ig, ergebenstenden 10. Febr. 1775. « ^ «bert.

Von Madame König.

Wien , d. 16. Febr. 1775.

Mein liebster Freund, anstatt ich glaubte/ in diesen Tagen Siezu umarmen, muß ich Ihnen sagen, daß ich seit meinem Letzten, keine