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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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527
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Briefe an Lessing. t77o.

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Der östreichische LegationSsecretaic machte mir letzthin in der Ko-mödie so viel angenehme Vorspiegelungen, in Ansehung Deiner inWien , daß ich glaube, Du wirst von da nicht wieder wegkommen.Der Gesandte und alle, sagte er, wären von Dir so eingenommen, daßsie alles für Dich zu thun wünschten; und doch, glaubte er, würde dasnicht nöthig seyn, so viel Dir unbekannte Freunde würdest Du dortfinden. Er bat mich recht inständig, ihn wissen zu lassen, wie Du inWien aufgenommen worden. Wegen der Religion hättest Du nicktdas Geringste zu befürchten. Schreibe mir doch, ob Du auch allediese Herrlichkeiten gefunden.

Karl.

Von Madame König.

Wien , d. 29. April 177Z.

Mein liebster, bester Freund!

Ich begleitete Sie von Station zu Station mit meinen Gedan-ken, und den besten Wünschen für Ihre Gesundheit und Zufriedenheit.Wenn aufrichtige Wünsche jemals sind erhört worden, so werden diemeinigcn gewiß erhört, und Sie reisen so glücklich und vergnügt, alslangweilig und vielleicht traurig, ich reisen werde. Denken Sie nur!an dem für mich so betäubten AbschiedStag, mußte ich auch noch einenBrief von Sch. erhalten, worin er mir seine Abreise nach Lissabon meldet, die auf den künftigen Tag angesetzt war. Da er vor EndeIuly nicht zurück kömmt, so entschloß ich mich auf der Stelle, mei-nen Weg nunmchro über Heidelberg zu nehmen, wohin ich schwerlichGesellschaft finden, und wornach ich mich auch nicht aufhalten werde,sondern, wenn, wie ich hoffe, ich mit Winklern diese Woche zu Endekomme, so reise Ich Montags oder Dienstags von hier. Wien liegtmir auf dem Rücken, seitdem ich meinen besten Freund darin vermisse.Ich kann wohl mit Wahrheit sagen, die wenigen Tage, die ich mitIhnen hier zugebracht, sind darin» die einzigen vergnügten gewesen.Gott mag cS Ihrem Pr. L. Verzechn, daß er mich um Ihre Gesell-schaft gebracht hat, ich verzeihe es ihm nimmermehr. Heute habe ichmit einem schweren und finstern Kopfe etliche dreyßig Abschiedsvisitengemacht. Unter andern bey Baron Gcblcr, der voraussetzte, daß ichIhnen schreiben würde, und mir also hundert tausend Empfehlungenan Sie auftrug, und zugleich die Bitte, Sie möchten ihm schreiben,und den Ort anzeigen, wohin er Ihnen antworten, und die Briefe,so für Sie kämen, schicken könnte. Diese Briefe müssen von ihm cou-vcrtirt, und nicht bloß addressirt seyn. Dieß sagte er mir, indem er