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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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534
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Briefe an Lcssiug, 1775,

gute Laune, thut mir herzlich leid. Sie sind allzu einsam. Als wiruns noch in Berlin im Lustgarten über Ihren Laokoon zankten, gingcS besser.

Äoii Madame König.

Hcydelberg, d. 2. Jul. 177S,

Mein liebster, bester Freund!

Ich habe also nicht so ganz vergebens besorget! Sie sind würklichin Venedig unpaß gewesen, und wer weiß! waren Sie übler, als Siemir haben melden wollen. Wenigstens besorge ich eS, und eS vergehtkeine Stunde im Tage, wo mich dieser Gedanke nicht verfolgt undquält. Ich bin auch so mißmüthig, und verdrießlich, daß ich michoft über mich selbst ärgere, daß ich einem Bruder, der mich so außer-ordentlich zärtlich liebt, nicht eine vergnügte Miene zeigen kann.Wenn Sie nur Wort gehalten und mir aus Italien noch einmal ge-schrieben hätten, so würde ich doch vielleicht, oder vielmehr, Gott gebecS, hier noch beruhigt werden. Denn vor drey oder vier Wochen kommeich wohl nicht von hier. Morgen kommen meine beyden Schwägerin-nen; des Professors Frau, mit drey Kindern, und des Bruders vonFrankfurth Frau mit zwey Kindern. Noch ist auch einige Hofnung,daß der Professor selbst kömmt. Erhielten wir Nachricht, daß er festentschlossen sey, nicht zu kommen, so reise ich wohl den 18. Juliusschon von hier, weil ich keine Hofnung mehr habe, daß Sie meinBegleiter seyn können. Wie leid mir dieses thut, können Sie gar nichtglauben, zumal ich Sie auch nicht in Braunschwcig treffen werde! Ichwill dem Prinzen noch alles verzeihen, wenn er Sie nur in Wien nichtauch noch lange aufhält. Würklich wenn Ihnen unsre Angelegenheitrecht am Herzen liegt, so müssen Sie sich, mein Lieber, nicht langeaufhalten lassen. So bald ich mit meinem Geschwister aus einandergesetzt bin, welches im August, gleich nach der Zurückkunst des HerrnSch- geschehen wird, so muß ich auch einen sichern Entschluß fassen, woich meinen Wohnplatz nehmen will. Erst mit dem ganzen Train aufhier zu ziehen, mich hier einzurichten, und nach einigen Jahren wiederzu verändern, würde unendlich viele Schwierigkeiten und Kosten nachsich ziehen. ES wäre noch rathsamer, ich bliebe ein Vierteljahr länger inHamburg . Eben deswegen, und noch so vieler Dinge wegen, wünschteich Sie zu sprechen, bevor ich nach Hamburg gehe. Wenn es dahermöglich ist, so machen Sie, daß ich Sie in Wolfenbüttel treffe. Soll-ten Sie wider Vermuthen eher nach Wien zurückgekommen sevn, so daß