' -
_
^ ,<^,'./
Briefe an ÜesstUji. 177.^. 636
Sie mich hier noch antreffm könnten, so kommen Sie doch aufhier. Ich bitte Sie auf das inständigste. Wer weiß, ob hier im Landesich nicht ein Platz für Sie fände? Der bey der Bibliothek ist würk-lich mit einem Lutheraner beseht. Es ist ein gewisser Herr Lamcyaus StraSburg , der zugleich Sckretair bey der Akademie ist. Er stehtauf lovv Thlr. nebst freyer Wohnung und Holz. Und wenn Sie aucheine Stelle bekämen, die nur die Hälfte eintrüge, so würden wir, meineRevenücn mit dazu gerechnet, anständiger und besser hier im Landedamit leben können, als in Wien mit 4000 Gulden. — Allemal zieh-ich Wolfenbüttel auch diesem vor, ob ich gleich just nicht zu sagenweiß, warum? ES wäre den» dieses einzige, daß wir dort frey undungcnirtcr leben konnten, wie hier, wo wir Verwandte fänden, nachdenen wenigstens ich mich würde ein bischen richten müssen. Dochauch dieses und alles übrige, will ich mir gern gefallen lassen, wennwir nur unsern Wunsch erreichen.
Zu Ende künftiger Woche, gehe ich nach Landau , um meinen Theo-dor zu besuchen. Gottlob! seine Briefe lauten gut; er spürt schon ei-nige Besserung. Die Hamburger Kinder sind untröstlich, daß ihreMutter so lange ausbleibt; sind aber alle recht wohl. — Grüssen Siealle Wiener Freunde von mir, vorzüglich Herrn de Haen, Baron D-und wenn Sie etwa den Herrn Hofrath von D. sprechen sollten. IchArmselige habe so lange in Wien Trübsal geblasen, und nun ich gerneda seyn wollte, sitze ich hier. Ich umarme Sie tausend- und tausend-mal in Gedanken, und bin so lange ich lebe einzig
die IhrigeE. K.
Dieß ist der zweyte Brief, den ich an Gcblcrn addressire. Ver-muthlich werden Sie sie zusammen erhalten- Noch cinS! Sie kön-nen sicher rechnen, daß wenn Sie mir geschrieben haben sollten,Sie wollten mich hier abholen, ich Sie erwarte, wenn cS auchbis in den Monat August dauern sollte. In dieser ungewissen Hof-nung habe ich schon eine Gesellschaft ausgcschlagen, und werde sie alleauSschlagen, bis ich zuletzt wahrschcinlichcrweisc allein reisen muß.Leben Sie wohl! und erneuern Sie die Freundschaft mit Madam H"nicht zu stark, sonst gibt mir mein guter oder böser Geist ein, daß ichcS nicht besser mache. Eben läßt sich ein Professor aus Holland beymir melden, dem ich vor zwanzig Iahren eben nicht ganz gleichgültigwar. Wenn ich ihn aber zu metner Rache wählen sollte, so müßte sichmein Geschmack in dieser Zeit sehr verändert haben.