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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lcssing. 1775. 1776,

ja ich verlasse mich ganz fest darauf. Ich habe noch einige Kleidungs-stücke und dergleichen in Wien . Sollten Sie sie nicht alle mit sichnehmen können; so würde es mir doch lieb seyn, wenn Sie meinenPelz mitbrächten. Versteht sich, Sie müssen mir ihn in selbst eignerPerson auf hier bringen. Ein ehrlicher Mann hält sein Wort, undIhr Wort habe ich. Grüssen Sie alle meine Wiener Freunde herz-lich, und bleiben Sie stets der Freund

Ihrer

ganz ergebenen

_ K.

Von Madame König.

Hamburg , den 9. Jan. 1776.

Mein lieber Freund!

Endlich einmal haben Sie mich aus der schrecklichen Unruhe ge-seht, worinn ich beynahe sechs Monate Jhrcntwegen, oder besserzu sagen: meinetwegen lebte. Denn daß Sie vergnügt und wohl wa-ren, habe ich theils durch die Zeitungen, theils durch Nachrichten, soandre von Braunschwcig erhielten, vernommen. Daß mir diese Nach-richten die erfreulichsten waren, die ich erhalten konnte, brauche ichIhnen wohl nicht zu betheurcn. OaS muß ich Ihnen aber auch gcste-hen, daß ich mich am Ende um so mehr betrübte, wenn ich dachte:Lessing ist wohl, ist vergnügt, und vergißt dich in dieser Lage, wie er dichschon einmal in der entgegengesetzten vergessen, oder doch versucht hat, ver-gessen zu können. Daß meine Briefe Ihnen nicht sollten zugekommenseyn, konnte ich nicht denken, weil Sie mir ausdrücklich geschrieben hat-ten: ich sollte sie an Geblern addreßircn. Folglich mußte ich glauben,daß Sie diesen angewiesen haben würden, auf welche Weise er sie be-sorgen müßte. Einer fehlt denn doch noch, den ich unter dem 11. Nov.an die kleine B- beyschlug, mit dem Ersuchen, ihn Baron Vokcltenzuzuschicken. Der wird gewiß nach Italien zu spät gekommen seyn, undalso nach Braunschweig zurück gehen. Suchen Sie ihn ja zu bekommen;denn so viel mir erinnerlich, stehet viel dummes Zeug darin», was icheben nicht wollte, daß andre lesen sollten. So fehlt auch mir der Brief,den Sie aus Livorno geschrieben zu haben meynen, dem ich aber nichtnachspüren kann, weil ich nicht weiß, an wen er addrcssirt war.

Ich habe in allem drey Briefe erhalten, den letzten aus Florenz vom 12. Julius, worinn Sie der Korsikanischcn Reise mit keinemWorte erwähnen, sondern nur sagen- daß Sie des andern Tages nachTurin abgehen würden. Nun kein Wort mehr von Briefen. Gottlob!