662 Briefe an Lcssiug. 1776.
Auf die Gewährung »iciner Bitte, Sie hier zu sehen, darf ich michalso nicht freuen, weil Sie so viele Arbeit haben. Es thut mir rechtleid, und meine Hypochondrie hat dadurch einen neuen Schwung er-halten, Leben Sie denn nur vergnügt, und vergessen Sie nicht, daßich es zu wissen wünsche, daß Sie vergnügt sind. Ich bin
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ganz ergebeneE. C. K-
Von Madame König.
Mein lieber Lcssing!
Nichts könnte mich heute zum Schreiben bringen, als die Furcht,durch allzulanges Stillschweigen mich Ihrer Briefe beraubt zu sehen.Denn ich bin durch eine Diarrhöe, die mich seit zwey Nächten keinAuge zu thun lassen, dermasscn entkräftet, daß ich kaum die Feder hal-ten kann. Wenn nur die Witterung sich bessern wollte, daß ich denPyrmonter Brunnen anfangen könnte. Ich war erst Willens ihn ander Quelle zu trinken, nun aber werde ich ihn im alten Lande aufHerrn Sch— Landgute trinken, weil mich dieser Freund so drin-gend gebeten, seiner Frau auf einige Wochen Gesellschaft zu leisten,die sich über den Verlust eines ihrer liebsten Kinder, welches sie invcrwichcnen Wochen verloren, gar nicht trösten kann. Was mir da-bey nicht anstehet, ist, daß wir acht Tage vor Pfingsten dahin gehensollen, welches vielleicht eben die Zeit seyn könnte, in der Sie hierseyn könnten. Wenn das wäre, so änderte ich die Sache noch. Nehm-lich ich erklärte mich mit Herren Schuback, was ich sonst lieber anste-hen liesse, bis wir uns mündlich gesprochen. Schreiben Sie mirdarum unfehlbar mit Rückpost, ich bitte Sie, wenn Sie glauben hiereintreffen zu können. Ich sehe gar wohl ein, daß bevor Sie nicht mitdem Pr. in Richtigkeit sind, Sie sich nicht entfernen können, sonsthätten Sie bereits weit dringendere Anforderungen um Erfüllung IhresVersprechens von mir erhalten. Ich wünsche nur, daß er nicht garzu lange mehr ausbleiben möge. Den übrigen Inhalt Ihres Brie-fes beantworte ich lieber mündlich. Machen Sie, daß dieses bald ge-schehen könne. Ich bin Zeitlebens
Ähr-
ganz ergebeneK-