Briefe an Lcssiiig, 1776,
Von Madame König.
York/ d, 15. Iuny 1776.
Mein liebster Freund! Ich habe nunmchro schon drcvzcbu Tageauf dem Lande zugebracht. Die ersten Tage wollte weder die Landluftnach der Brunnen anschlagen, vielmehr wurde ich elender, und dachtenichts gcwisscrs, als ich würde wieder nach der Stadt zurückkehrenmüssen. Nun aber ist cS ganz anders; ich esse mit dem größten Appe-tit/ schlafe ruhig, und fühle, daß meine Kräfte täglich zunehmen. DerPvrmontcr Brunnen ist doch für mich jedesmal ein außerordentlichgutes Mittel. Sollten Sie ihn auch angefangen haben, so wünscheich, daß Sie einen eben so guten Effekt davon haben mbgen, ES hatmich herzlich gefreuet, daß Sie endlich den E- Pr. gesprochen, und mitihm übereingekommen sind. Noch weit mehr aber hat mich die Hof-nung erfreut, die Sie mir geben, Sie bald hier zu sehen. Ich zählejeden Tag bis IohanniS. Ich endige meinen Brunnen den Tag nachJohanniS, und so gerne man mich noch hier behalten will, so werdeich doch den folgenden Tag gleich nach der Stadt gehen; es wäre denn,daß ich zwischen der Zeit Briefe von Ihnen erhielt, die mir sagten:Sie rciseten später. In dem Fall hielte ich mich wohl ein paar Tagelänger hier auf, größtentheils darum, weil Herr Sch. gerne sieht,wenn ich seiner Frau so lange wie möglich, Gesellschaft leiste. Sieschreiben mir also gewiß, nichr wahr? und bestimmen den Tag IhrerAbreise? denn überraschen müssen Sie mich ja nicht. Gott gebe, daßich Sie gesund umarme. BIS dahin thue ich eS in Gedanken undbin Zeitlebens
Ihre
ganz ergebeneK.
Liebster Bruder,
Doctor Herz hat mir einen Brief an Dich gegeben, den ich Dirbeylege. Er wird Dir wenigstens ein neuer Beweis seines Scharfsinnsseyn. Ich kann gar nichts einwenden, wen» er behauptet, daß beyden Empfindungen die objectivische Negation keine subjcctivische Reali-tät wirke. Sonst müßte ein Ding, das aus lauter Verneinungen be-stände, wenn ein solches Ding gedacht werden könnte, in der Vorstel-lung eben so großes Vergnügen gewähren, als ein Ding mit lauterRealitäten. Da wo die objectivische Unvollkommenheit zur subjcctivi-