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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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563
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Briefe an Lessing . 1776.

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des Stückes, ist cS doch im Ganzen weit unter dem Julius von Ta-rent, und die Gründe, warum die Hamburgischen Entscheidet cS die-sem vorgezogen haben, sind nicht weit her. Ich möchte noch manchesmit Dir plaudern; aber Herr Leisewih, der Dir diesen Brief einhän-digt, will fort. Lebe also recht wohl!

Karl.

Berlin , d. 3. August 1776.

Liebster Freund,

Ich merke wohl, man muß nur über Bibliothek-Angelegenheitenan Sie schreiben, so bekommt man Antwort. Ich danke Ihnen fürden Jtalia'ner').

Ich bin zwar in der goldnen Kunst der Ideographie nur noch kaumein anfahcnder Schüler; aber doch traue ich mir aus Ihrer Handschriftnoch etwas mehr zu sehen, als daß Sie eine schlechte Feder gehabthaben. Zwar weder Ihre Talente noch Ihre Neigungen, aber doch,da ick) mit Ihrem Briefe zugleich einen Brief von unserm FreundeWeiße bekam, schien cS mir fast, so ungläubig ich sonst noch an dieIdeographie bin, als ob ich etwas von Ihrer beyder Charakter in derHandschrift Ihrer beyden Briefe erblickte. Doch tranteal!

") Ich halte mich damal schon seit einigen Jahren beschäftigt, alles waszur Physiognomik im weitesten Umfange gehört, zu studiere». Zufallig warLavatcr ans eben denselben Gedanke» gekommen, und nachdem im Jahre 1772seine kleine Physiognomik erschien, (welche ich in gewissem Betrachte fürviel vorzüglicher halte als sei» großes Werk), kam ich mit ihm iu einephysiognomischc Korrespondenz und ich darf wohl sagen, das; ich ihn von ei-nigen Thorheiten abgehalten habe. Ich war selbst Willens, ei» etwas aus-snln'lichcs Werk über Physiognomik zu schreiben, aber frcvlich in einem ganzandern Sin» als Lavatcr. Zum Behufe meines Studiums hatte ich vonLcssing zwey höchst seltene Bücher verlangt, des i-eorp. ^woriNi oder .ViSerilüi>l«-oxr->l»ii-l, (Kunst aus der Handschrist den Charakter zu erkennen,) und ebendesselben Verfassers «>-l-uo«co>,i-t k. UlviniUw ex Ms» zu Neapel 1Kl1 i» 4logedruckt. Beide aber waren nicht auf der Wolfenbütlelschc» Bibliothek, so wieich dieselben auch aus allen mir bekannten Bibliotheken und selbst iu Italien vergeblich gesucht habe, und ich wünschte noch jetzt sehr, sie sehen zu könne».Lcssing aber schickte mir den rr-ui-u» ooms >>» »» ie«tor» -»iMv» ti ougno-

»e»»u I» n»l»r!V v <iu»Mil lwNo Serittore, raccuUo ll»x>i Si-ritti ckel Signor<?»»,,//» e >!!»» nll.T kttimp» >w KW. k'riuicesro v>M>!ni5o»i. In IM-

i-»,n imil,'XXV. 8. Zu diesem Buche werden aber die Zeichen hauptsächlichvon der Schreibart hergenommen- Nur hauptsächlich der sechste Abschnitthandelt von den Zeichen, welche die Handschrift gewähre» könne. Nicolai.

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