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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing . 1776.

wiesenes Haus betrift, wenn es auf mich ankömmt, so vertausche iches mit keinem Pallaste in der Stadt, wenn cS auch »och so altväterischund klein wäre. Ich würde ja bey einer solchen Entfernung die Er-laubniß verlieren, Sie in der Bibliothek besuchen zu dürfen. Dafürwollte ich lieber ungemächlich wohnen.

Die Betten will ich in Zeiten hinschaffen. Es wird aber die Frageseyn, ob sie in die Bettstellen passen? In dem Fall ist es gut, daßdorten welche sind. Aber, mein Lieber, auf unsere Reise habe ich ge-dacht, wie wir sie anstellen wollen. Hier werde ich schwer und sehrkostbar einen Kutscher finden, der uns bis Wolfenbüttel brächte; dannwissen die Leute auch die Wege nicht. Wäre es nicht rathsamer, Siesuchten dorten einen viersitzigcn Wagen zu bekommen, und nähmen Post-pferde, mit denen man doch besser aus der Stelle kommt, als miteinerley Pferden? Oder wollen Sie, daß ich hier einen kaufen soll,weil doch die Manheimer Reise auch so nahe ist? Ich denke nur, mankömmt dort wohlfeiler an, wie hier. Zwar fügt es sich zuweilen, daßauch hier ein Wagen um einen billigen Preis zu erhalten ist, wennman sich In Zeiten darnach umsieht. Deswegen melden Sie mir mitumgehender Post Ihre Gedanken.

Ich begreife nicht, wie Sie meine Antworten auf Ihre beydenletztern Briefe noch nicht haben. Ich habe keine Post versäumet, siezu ertheilen. Ueberhaupt habe ich, seitdem Sie von hier sind, alle Mitt-wochen und Sonnabende geschrieben- Mit der Dienstags- und FreytagS-post schreibe ich deswegen nicht mehr, weil die Briefe nicht eher inIhre Hände kommen, als wenn ich sie an den Hauptposttagen absende.

Daß die Sache wegen des Yorks verplaudert worden, verdrießtmich. Den Tag nach Ihrer Abreise erzählte mir Madam Sch. Sieselbst hätten cS Doktor Gr. gesagt. Ich glaubte cS aber nicht, son-dern muthmaßte, daß es vielmehr durch die Tochter des S- Sch- andie Sch. gekommen sey. Madam Sch. ist eS auch ärgerlich, und siehat ordentlich untersucht, wvher das Gewäsche käme, und am Ende ent-deckt, daß es aus Kl... Munde kömmt, also vermuthlich durch die B

Ich lege hier einen Brief vom Professor mit bey , der mir vielVergnügen macht, weil er mit so viel Heiterkeit geschrieben ist, als ichin vielen Jahren, keinen von ihm erhalten habe.

Sie haben meine Neugierde erregt, weil Sie sagen: die Manhei-mer Geschichte sey eines UmstandeS wegen merkwürdig nun erwarteich auch, daß Sie meine Neugierde befriedigen.

Bey jeder Zeile dieses Briefes habe ich beynahe einmal aufstehenmüssen. Jetzt kömmt gar Madam Sch. Also leben Sie wohl, mein