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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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583
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Briefe an Lessing. t777.

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langsam, zunimmt/ so daß ich Immer noch hoffe, er werde ganz wie-der hergestellt werden und seine ganze Dcnkkraft brauchen können.

Sonst ist cS in Berlin beym Alten. Die Theologen glauben,daß Sie ein Freygeist sind/ und die Freygeister, daß Sie ein Theologgeworden sind. Ihr vierter Beytrag hat an dieser Meynung nichtsgeändert. Die Hauptvcränderung in Berlin ist, daß da vor zwölf Jah-ren Minna nur zwanzig Mal hinter einander aufgeführt worden, nun-mehr in diesem Jahre die Subordination zwey und zwanzig hintereinander folgende Vorstellungen gelitten hat, woraus denn auf die Auf- .nähme des deutschen Theaters ein sicherer Schluß zu machen ist. Ichmeines OrtS danke Gatt, daß ich der Versuchung fürs Theater zuarbeiten, nur in so wett untergeleget! bin, für mein HauS- und Stu-bcntheater zu arbeiten, denn es ist kläclich einzusehen, wenn mein ver-liebter Schulmeister") öffentlich wäre aufgeführt worden, so hätteer gewiß mehr als zwanzig Vorstellungen ausgehalten, wodurch ichleicht in das vcrdammlichc Laster des Stolzes hätte fallen können.

Und hiermit Gott befohlen, lieber Lessing ! Ein Wort von Ihrer

°1 Im Zabre 1765. machte ich eine komische Oper unter diesem Titel,meinem Freunde Rrause zu Gefallen, der Lust hatte, etwas von der Artzu kompoiiirc». Er setzte die Arien und Gesänge trefflich in Musik. Ei»Paar Lieder daraus wurden durch Einrückung In den Giiltingischcn Musen-almanach verewigt. Das Stück, das als Theaterstück gar keinen Wcrlh hatte,für eine kleine Gesellschaft aber, durch ihre bekannte Anspielungen, einigenWerlh haben mechtc, Halle Bezug auf das Geburlsfcst meiner Schwieger-mutter, und ward im November 1765 zur Fevrr desselben in meinem Hanseaufgeführt. Die Gesänge aus dieser komische» Oper wäre» für die Eesrll-schasl, welche der Aufführung beyzuwohnen eingeladen war, gedruckt; und auf demTitel bcvgcfügt: zur Feycr des Geburtstags einer geliebten Mutter.

Hr. Prof. Schund in Gießen war ein Manu, der Nachrichten zur Gc-schichlc der deulschc» iielws-lvttre» mit ängstlichem Fleiße und wenigem Ver-stände s.imnicllc und anwende!-; daher halte auch dieser Bogen grdrucklcrLieder seiner Kenntnis; nicht einzogen werden können. Sein Allraunchen hatteih» dabey nnlcrrichlct, das; ich der Verfasser dieser römischen Oper sey, unddas; die geliebte Mutter unschlbar cine vornehme Person seyn müsse. Er»ahm also gleich die vornehmste, und machte aus meiner gute» Schwieger-mutter eine Landcsmutrer. Er that mir die Ehre, mich unter die thea-tralischen Schriftsteller zu setzen, auf folgende Arl-Fr. Nicolai, Verfassereiner komischen Oper, der verliebte Schulmeister, aufgeführt am Geburts-lage der Rönigin» von Preußen." So kam ich »nvcrdicnl in den Rufein Thcalcrdichler und ein Hofpoct dazu zu scvu! Wie man manchmal überVerschulden glücklich werden kann! Nicolai.