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Reise nach Manhcim könnten Sie mir wohl »ach Berlin schreiben;denn alle Ihre Freunde sind begierig zu wissen, was daselbst vorgegan-gen ist, und wie Sie die Aussichten, die man daselbst hat, gefundenhaben. Daß Aussicht und Ansicht zwcycrley ist, gilt nicht bey La-vatcrn allein.
Leben Sie wohl! Ich bin Von Herzen
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Nicolai.
Nachschrift. Zum Bunkel, da er so sehr Ihren Beyfall hat,werden Sie doch wohl 200 Prcknumerantcn sammeln?
Braunschwcig, d. 2Z. May 1777.
Gestern Abends kam ick von meinem guten alten Lentcker erst wie-ber zu Hause. Die erste Freude, die mir hier entgegen kam, war IhrBrief, liebster Lessing. Wieder ein Fund! und zwar ein so wichtiger!Wo haben Sie denn in aller Welt auch daS Volumen majus, daSsich in ein ganz anders Manuskript verkrochen hatte, heraus spürenkönnen? Nach gerade glaube ich, Sie können es am Gerüche haben!Nur immer her mit dem, was Sie abgeschrieben haben wollen! Ichthue es mit mehrern Vergnügen, dieß können Sie sicherlich glauben.Wenn ich es Ihnen nur gut gcnung mache. Wissen Sie mir denn1) das deutsche Original des Wahldckrets Kavser Carls des fünftennachzuweisen? 2) Sollte nirgend etwas von der so gewaltig ins Augefallenden Umkleidung der Spiegelschen Anrede an den Kayser ange-merkt seyir? Noch liegt mir das Zeug im Kopfe, hernach denke ich wohlin meinem Leben nicht wieder daran.
Ihr aufrichtigsterSchmid-
Berlin, den 6. JuniuS 1777.
Wenn, mein liebster Lessing , die Ucberbringerinn Ihres Briefesvom 25. May die übrigen Sehenswürdigkeiten des großen Berlins nicht sehenswürdiger findet, als den Verfasser des Nothankers, so wirdsie die Kosten ihrer Reise verzweifelt schlecht angewendet haben, denner hat aus Eifer, die Sehenswürdigkeiten von Berlin zu beschreiben,alle seine gute Laune, und beynahe die Augen verloren. In der That,kann schwerlich ein so tui-m'5 lalior inoptiarum gefunden werden, alsdie vermehrte Auflage der Beschreibung von Berlin , mit der ich mich