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Briefe an Lessiug. 1777.
samkeit nicht eines Bißchen Mutterwitzes (das sie Genie taufen), undalle Poesie nicht der Lieder der Tvroler und Hechelträger werthwäre, wo möglich, klug zu machen, oder diesen Herren, welche wähnen, eSdürfe sich niemand an sie wagen, gerade in die Zähne zu lachen'). In dieLitteratur der alten deutschen guten Volkslieder aber habe ich mich nichternsthaft einlassen wollen, theils weil mir Zeit fehlte, theils weil ichgenöthigt gewesen bin, zuweilen ein wenig Ramlerisch mit den Lie-dern umzugehen, die sonst gar nicht hätten mitlaufen können. Dochhabe ich mich wirklich dieser Freyheit nur sehr sparsam bedient, wo essich nicht ändern ließ. Ich habe mir freylich ein heimliches Vergnü-gen gemacht, einige schöne Stücke zuerst ans Licht zu bringen; aberich habe wissentlich einige recht plumpe darunter geseht, damit mananschauend sehe, daß wahrhaftig nicht alle Volkslieder deS Abschreibe»?werth sind.
Meine Hauptquellcn sind die Bergkreycn, in Nürnberg gedruckt. Wenn mein Almanach erst heraus ist, habe ich große Lust,diese Bcrgkreyen Hrn. Eschenburg zur Bekanntmachung im Museumzu senden. Sonst habe ich auch, einzeln gedruckt, die Menge vonsechs weltlichen Arien, aber meistens ist eS unausstehlicher Schund.
Sie bekommen anbey das Verzeichnis woher jedes Lied im Alma-nach ist.
Vom zweyten Theile sind schon 4 Bogen gedruckt, und mehrTheile will ich nicht herausgeben, theils, damit der Spaß nicht allzulang werde, theils, weil ich mir vorgenommen habe, mich von allenArbeiten loS zu machen, mit denen ich an das Publieum und an einegewisse Zeit gebunden bin, da ich ohnedies unter der Arbeit bey-nahe erliege.
Wenn Sie mir etwas mittheilen können, so geben Sie mir einAlmosen; denn ich habe zum zweyten Theile eben nicht viel recht Gu-tes. Aber — ich muß eS längstens in der ZNitte des Julius ha-ben, sonst wird eS zu spät. — Suchen Sie fein, Herr Bibliothekar!
MoseS grüßt Sie. Er will wegen deS Titels, den er lieber mithebräischen Buchstaben geschrieben gesehen hätte, (weil er ihn so nicht
') Das Ding kam mir i» einer frohe» Gesellschaft in Dessau picrsl inden Kopf; daher legte ich die Scene »ach Mclau bev Dessau . Bürger, derim deutschen Museum unter dem Name» Daniel Wunderlich vorgegeben dieVolkslieder wären die eigentliche Poesie, gab Gelegenheit dazu. Der Geist Gabriel Scubcrlichs, der in der Vorrede crwäbm wird, ist nach einem danial«in Dessau lebende», nuu schon verstorbene», witzigen Manne, Hrn. Zol'a»»Sleiiiackcr, geschildert. Nicolai.