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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
603
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Briefe an Lessing . 1778.

K0Z

Ein neuer Kämpfer ist aufgetreten/ ein gewisser Rector Mascha;ich kenne aber seine Schrift nur aus den Hamburgischen Zeitungen,worin ganz ernstlich behauptet wird: die Fragmente, welche Du heraus-gegeben, konnten nicht von einem Hamburgischen Gelehrten seyn, wiedas Gerücht ginge. Warum? Herr Mascha sage, die Fragmente be-wiesen einen Gelehrten, der von allem etwas, und im Ganzen nichtswisse. Wäre cS nicht Zeit, daß man den Verfasser aller Welt offen-barte? Und ich befürchte, ich befürchte, diese Messe wird eS noch eineMenge solcher Kampfschriften geben! Herr Eberhard (dessen zweyter TheildeS SokrateS noch nicht fertig ist) hat geäußert, daß, wenn Du ihm zusehr aufS Fell gingest, er, ungeachtet er schon viel Zähne ausgerissen,auch noch die übrigen alle ausrcißen wolle. Mache also das Zahnwehnicht zu groß. Den Verfasser der Recension von Jerusalems philo-sophischen Aufsätzen wußte Nicolat nicht ganz gewiß; er glaubte, essey der verstorbene Lambcrt.

Die Kiste mit den Büchern und Würsten habe ich erhalten/ undich danke Dir dafür vielmals. Was Du davon wieder zurück verlangst,will ich Dir auch zu seiner Zeit schicken.

Zu der verlateinischtcn Emilta Galotti kann ich gar nichts sagen.Das Original ist mir zu bekannt; ich wollte wohl schwören, wenn ichcS nicht so genau kennte, so hätte ich manches im Lateinischen nichtverstanden. Scncca ist der einzige lateinische Tragiker, und den habeich nie auslesen können. Aber doch glaube ich nicht, daß er DeinenDialog in Scnccaischcn verwandeln können.

Laß mich doch bald Deine Axiomata gegen Götzen lesen, und ver-giß Deine neue Hypothese über die Evangelisten nicht. Hier will michjedermann versichern, Du würdest das Theologische unvermuthct satthaben.

Karl.

Berlin , den 28. May 1778.

Mein liebster Bruder,

Ich danke Dir für Deine Parabel und Ariomata: nicht als füreine Neuheit; (denn ich hatte sie eben gelesen) sondern dafür, daß siemich so vergnügt haben. Nur bin ich bekümmert, wie Du Wort hal-ten, und alles beantworten willst, was Götze wider Dich schreibenwird. Daß er die von Dir geforderte Erklärung nicht giebt, kömmtmir ziemlich wahrscheinlich vor; und alsdann kann er wider Dich schrei-ben, und Du kannst ihm, nach Deiner Erklärung, nicht wohl ant-