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Briefe an Lesstiig. j?78-
Worten. Hast Du Dir nicht selbst eine Falle gelegt? Ihm scheintgar nichts daran zu liegen, was die Klugen dazu sagen, sondern wasder Haufe gleichsam dazu gafft; und der gafft immer da, wo er dielautesten Worte hört. Das Glcichniß von der Thara ist nicht ganzpassend; auf die ganz feinen Waaren passirt keine Thara.
Der Minister von Zedlitz will wissen, wer der Herausgeber dertZo Uebcrsctzungen des Vaterunsers ist, deren Du in deinen Schätzenerwähnt haben sollst, dessen ich mich aber nicht erinnern kann. Giebmir hiervon eine ausführliche Nachricht, und wenn cS Dir nicht be-schwerlich ist, je eher, je lieber.
Wirst Du mit dem versprochenen Werke für Voß noch fertig wer-den? Oder laßt Du'6 gar liegen?
Karl.
Mein liebster Bruder,
Jetzt muß Dir mein langes Stillschweigen wohl lieb gewesen sey»!Du mußt in Arbeit bis über die Ohren stecken. Wenn ich bedenke,was Du jetzt nur lesen mußt, einen Bchn, einen Gdh, einen Klcukcr,einen Lüderwald, einen Mascho, einen Richter und einen Silbcrschlag,die sich alle der einbrechenden Vernunft.Religion entgegen dämme»;Journale, Zeitungen und Programme, wohlmeyncnde Briefe, welcheDir Dein gegebenes Aergerniß vorhalten: — wenn Du alles lesenwillst, dächte ich, so bliebe Dir ja kaum Zeit zum Schlafen. Nunbeantwortest Du auch alles das, und wenn auch nur jedes mit einemBogen. Die Anligbtzischcn Bogen bis No- 7. habe ich gelesen, undman hat mir von Hamburg aus geschrieben, daß sie da vieles Aufsehenmachten. Der arme derbe und hartherzige Gdz wird mich bald dauern.Sogar der Pöbel fängt an ihn zu verlassen, und seine heilige Kanzel,die Stätte Gottes, gering zu schätzen!
WaS Du über das Zumuthen, die ReligionSzwcifcl lateinisch zuäußern, und über den Schaden der subjcctivischen Religion oder überdaS den Einfältigen gegebene Aergerniß sagst, hat mir darum so sehrgefallen, weil ich oft dergleichen Lied singen hören. So lange dieGeistlichen ihre Hände (mit dem Kopfe hat cS gute Wege) in der Er-ziehung der Jugend haben, kann es mit der Vernunft in ReligionS-sachen nicht weit kommen. Ich verpflichte mich, fast jeden Menschen,der aber vom Christcnthume gar nichts weiß, die wahre Religion eherbeizubringen, als unsern jetzige» wohlerzogenen Leuten i» der Christen-