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heit. Absurditäten scheinen ihnen keine Absurditäten, und heilig istihnen eben das, was Absurdität ist. Die meisten Mcnschen denken sichunter der Religion das Christenthum, nicht die Moral; und doch, wennalles schreibt/ ohne Religion kann weder Staat noch Gesellschaft be-stehen, so haben sie Recht, wenn unter Religion Moral verstandenwird. Durch dieses ^uicl pro ^uo haben sie Beyfall finden können!Ich wunderte mich lchthin über unsers MoscS Aeußerung, daß, wennwir das ganze Christenthum umwerfen wollten, die Pfaffen uns gleich-sam das unschuldige Kind, die Moral, vorhalten würden, und wir ausBesorgnis;, daß dieses mit verloren gehen möchte, jenes nicht so ganzangreifen dürften. Wenn man aber sieht, daß cS eine Puppe, und keinwirkliches Kind ist, antwortete ich. Wer hat denn die Meynung auf-gebracht, daß die christliche Religion eine gesundere Moral, oder einevor andern Religionen bessere Moral habe? Das Christenthum hat we-der Wissenschaften und Künste noch Moral befördert, sondern vielmehrgehindert; und daß cS vom sechzehnten Jahrhunderte an da und dorteine moralischere Gestalt bekommen, rührt daher, daß sich Wissenschaf-ten und Philosophie aus andern Ursachen verbreiteten. Aus diesen mei-nen rohen Gedanken kannst Du leicht schließen, wie angenehm mir dasFragment von dem Zwecke Jesu und seiner Jünger war. So kalt undvernünftig der Verfasser dieses Fragments ist, so kann er sich doch zu-weilen des Spottes nicht enthalten- und wenn cS dieser ehrliche Mannnicht ganz konnte, wie soll es ein Anderer können? Mir wallt meinganzes Blut, wenn ich ein wenig nachdenke, wie man beflissen ist,die Menschen bey der Nase herumzuführen. Eberhard, der in demzweyten Theil seines Sokratcs weit gegangen ist (als Theolog nehm-lich), will doch noch bey der Bibel bleiben; sie soll doch noch die gött-liche Richtschnur der Religion seyn. Und ich glaube, — — —
— — — — — — — — — — — — Ohne Zweifel
wird dieses Fragment Allen ein Anstoß seyn; und wenn man Dir nurin Deinem häuslichen Leben keinen Verdruß darüber macht, so willich sagen, daß eS Zeit war, damit hervorzukommen. — Luthers Hans-wurst von Wolfcnbüttcl — ist das wirklich eine Komödie, die gedrucktist? Wenigstens kann ich in Gottscheds Vorrathe davon nichts finden.Oder was ist es für ein Stück?
Und nun auch etwas von andern Komödien. Beygebender Bandwird Dich überführen, daß ich einige meiner Sudclcycn geändert habe.Jcht will ich Dir nicht zumuthcn, sie zu lesen, weil Du genug zu le-