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zu betrügen, wenn man sich nicht selbst betrügen lasse. Ich lasse aufihn nichts komme»; er versteht das Recht und den Handel/ und kenntdie Zlmstcrdammcr Bocdel Kammer.
Er. Meinethalben! Aber was wollten Sie jetzt bey ihm?
Ich- Geld borgen, wie gesagt: 300 Thaler.
Er. Und das Unterpfand, das Sie dazu haben, ist doch seineeno Thaler unter Brüdern werth?
Ich. Fragen Sie doch erst/ ob er mir leihen konnte.
Er. Ha ha ha!
Ich> Da ist zu lachen! Ich kam ihm gerade zu einer Zeit/ woer kein baarcS Geld hatte. Er wies mir alle seine Stuben; nichtsdarin, als etwas altes Silberzeug, das er aber ohne Gewicht undProbe gekauft hatte. Da ich cS natürlich auf der Münze schmelzenund probircn lassen würde/ so konnte er es mir nicht anbieten. ESthat ihm recht leid.
Er. Daß Sie kein Unterpfand hatten!
Ich- Nun, Ihr Juden könnt doch auch keine edle Handlungohne Spöttcrcv anhören! Hat er mir eS denn deshalb ganz abgeschlagen?
Er. Ich befürchte doch/ Sie werden Ihre Possen mit ihm ein-mal theurer bezahlen! — Brauchen Sie das Geld gleich?
Ich- ES ist nicht für mich/ sondern für meinen Bruder. Nurbis auf vierzehn Tage nach der Leipziger Ostermesse.
Er. Wollen Sie eS von mir haben?
Ich- Warum nicht?
Er. Ich kann cS gerade bis zu dieser Zeit entbehren. SchreibenSie es ihm. Ich bin in Kurzem wieder in Hamburg , und möchtegern einen Brief von ihm haben.
Ich- Wenn er Ihnen aber nicht schreibt, so bekommt er kein Geld?
Er. Ich werde cS ihm dann schicken; und den Empfang wirder mir doch melden?
Nun/ liebster Bruder/ richte Dich darnach. Auf das Geld kannstDu Dich verlassen.
___ Karl.
Berlin , den 2. (12?) Dec. 1773.
Mein liebster Bruder,
Hier hast Du den Probedruck von Deinem Nathan, und das Ma-nuskript davon zurück. Du wolltest zwar einen ganzen Bogen Probe-druck; der Buchdrucker aber mcvnte, Du könntest an zwey Octavblät-tern eben so viel als an einem ganzen Bogen ersehen. Ob er Dir