664
Berichtigungen und Znsatze.
S. 632.
An den Staatsrath von Gcblcr.
Wolfenbüttel , den 13. August 1779.
Werden Sie sich auch meiner noch erinnern wollen? — Ucbcrrci-cher dieses ist mein Stiefsohn und der rechte Sohn einer Frau, dieIhnen selbst nicht unbekannt gewesen; die Ihnen selbst so viele Ver-pflichtung gehabt. Freylich habe ich es Ihnen nicht geschrieben, daßdiese Frau meine Frau geworden. Freylich habe ich es Ihnen nichtgeschrieben, daß diese Frau in Wochen gestorben, nachdem ich wenigüber ein Jahr in einer sehr vergnügten Ehe mit ihr gelebt. VerzeihenSie mir! Jenes wollte ich Ihnen von einer Zeit zur andern schreiben:bis sich dieses ereignete, und mein einziger Trost war, wenn ich andie ganze Sache nicht weiter gedächte.
Der junge Mensch kömmt jetzt in Angelegenheiten der Verlassen-schaft seiner Mutter nach Wien , und freuet sich, alle die würdigenund guten Freunde derselben kennen zu lernen. Vielleicht daß er auchnoch sonst Aussichten hat, die er Ihnen zu entdecken sich die Freyheitnehmen wird. Ich hoffe, daß sein erster Anblick ein gutes Vorurtheilfür ihn erwecken soll, und bin versichert, daß er sich Ihrer Protektion,wenn Sie ihn derselben würdigen wollen und können, nicht unwürdigerzeigen wird. —
Und nun, was macht unsre alte Liebhabercy, das Theater? Siesind ihm ganz abgestorben? Mein neustes Stück, welches aber mehrdie Frucht der Polemik als des Genies ist, hoffe ich, soll Ihnen durchdiese Gelegenheit zu Händen kommen. Ich hatte aus Wien eine MengeSubscribcnten darauf. Aber sagen Sie selbst, durfte ich eS wagen,meine dortigen Freunde damit zu comvromittiren?
Leben Sie recht wohl, würdiger guter Mann; und lassen Siemich von Ihrem ununterbrochenen Wohlergehen ja bald etwas hören.
Ganz der Ihrige,L-ssing.
S. S34> .Der Brief a» Campe sollte S. 610 unten sich». Er ist offen-bar in Hamburg geschrieben, wo Lessing nach der Buchhandlerzeilung ans dasJahr 1778, S. 606, am Sonnabend d. 12. September 1778 ankam.Der folgende Brief an Eliscn, S. 635, wird wohl im October 1780 ge-schrieben sein und also auch nicht an seiner Stelle stehn.
Bd. XIII, S. 222, Z. 12 l. unn