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12 Briefe, die neueste Litteratur betreffend.
Und wie oft zeiget der Herr von Pallhcn, ich weis nicht,welche eingeschränkte Kenntnisse! - - Petrarch sagt von sich:"„Ich habe nie an Schmausen ein Bergungen gefunden, sondern„habe bey mäßiger Kost und gewöhnlichen Speisen ein vergnüg-teres Leben geführt, als alle Nachfolger des Apicius." Undder Herr v. P. setzt in einer Anmerkung hinzu: „Es wird hier„auf den Apicius Laelins gczielct, welcher zehn Bücher von„ der Kochkunst geschrieben zc. — Allein, muß denn ein Mann,der Gerichte zubereiten lehrt, nothwendig ein Schlemmer seyn?Er hätte, wie bekannt, einen ganz andern Apicius hier anfüh-ren sollen, und würde unter drey berühmten Schlemmern diesesNamens die Wahl gehabt haben. —
Das Projekt des Abts von Sr. Pierre zu einem beständi-gen Frieden, sagt der Herr v. P., sey ihm nicht zu Gesichte ge-kommen. Die ganze Welt kennt es. Es ist unendlich sinnrei-cher als seines, und läuft auf eine proportionirlichc Herabsetzungder Kriegshccre aller europäischen Staaten hinaus. Fll.
III. Den 18. Jenner 1769.
Siebender Brief.
Sie haben Recht; dergleichen schlechte Ucbersctzcr, als ichIhnen bekannt gemacht habe, sind unter der Critik. Es ist aberdoch gut, wenn sich die Critik dann und wann zu ihnen her-abläßt; denn der Schade, den sie stiften, ist unbeschreiblich. —Wenn durch eine grosse, wunderbare Wcltveränderung auf ein-mal alle Bücher, die deutsch geschriebenen ausgenommen, unter-gingen; welch eine erbärmliche Figur würden die Virgile undHoraze, die Shaftcsbur^s und Bolingbroks bey der Nach-welt machen!
Oder meinen Sie, daß bey einem so allgemeinen Schif-bruche der Wissenschaften, die deutsche Gelehrsamkeit nur immer-hin auch mit versinken möchte?
Das wäre zu bitter gcurthcilct! Man verachtet keinen Baumwegen seiner unansehnlichen Blüte, wenn er wegen seiner Frucht
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