Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
150
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460 Briefe, die neueste Sittcralur betreffend.

und weil er sahe daß der Graf unbedeckt war, sprach er zu ihm:decket euch, Graf von Lemos. Als dieser erwiderte, wer ihm dieMacht gegeben habe, ihn mit solcher Kühnheit anzureden? soll erversetzt haben: diese Macht sey mit ihm gebohrcn; wie er sich dennselbst so anstellen dürfe, als wenn er ihn nicht kenne? er müsse sichdoch erinnern, daß sein Letter, der König Philipp/ ihn zwcymalan ihn abgesandt habe, und daß der Degen, den er an seiner Seitehabe, ihm damals von ihm sey geschenkt worden. Andere sagen, erhabe ihn nur erinnert, daß er damals den Grafen mit einem Degen,seine Gemahlin aber mit einem Juwel beschenkt habe. Weil dies nunan sich seine Richtigkeit gehabt, habe der Graf ein ganz Bund seinerDegen, und die Juwelen seiner Gemahlin in das Zimmer bringe»lassen, da unser Sebastian nicht allein die rechten Stücke gleich er-kannt, und unter den andern herausgenommen, sondern auch an demJuwel ihm gewiesen, wie man dasselbe an einem gewissen Orte eröfnen,und den darunter verborgenen Namen Sebastian, entdecken könne,welches Kunststück bisher dem Grafen und seiner Gemahlin verborgengewesen. Der AuSgang war, daß man den Sebastian als einenBclricger auf einen Esel setzte, ihn in Neapel schimpflich hernm- führte, sodann aber auf die Galeeren bringen ließ. Als er sich derSpanischen Küste näherte, ward alles in Portugal ! rege, so daßman ihn nach St. Lucar auf das Schloß setzen mußte, um seinerPerson mehr versichert zu seyn, an welchem Orte er geblieben und ge-worben, ohne daß die Art seines Todes jemals recht bekannt worden.

Dieses ist die Geschichte! Dabey aber läßt es unser Ver-fasser nicht bewenden, sondern stellet eine umständliche Untersu-chung darüber an, welche ein Meisterstück in ihrer Art ist. Eskömmt hicrbey, sagt er, auf zwey Fragen an;ob der Tod desKönig Sebastians dergestalt in der Gewißheit beruhe, daß mankeine Ursache habe, daran weiter zu zweifeln, und wenn diese ersteFrage sollte nicht können bejact werden, ob jedoch der vierte Seba-stian unter diejenigen billig gezählt werde, welche unter einem fal-schen Namen in der Welt eine grosse Rolle spielen wollen, oder obauch dies im Zweifel beruhe."

Kann man das erste mit Zuvcrläßigkcit erweisen, ist Se-bastian bey Alcassar gewiß geblieben, so ist das zweyte zugleichentschieden. Aber, leider, kann man jenes nicht, und aus allen