58«-.
Laokoon.
micn so erschöpft, daß er dem Vater eine noch traurigere geben zukönnen verzweifelte. Er bekannte dadurch, sagt jener, K daß derSchmerz eines Vaters bey dergleichen Vorfällen über allen Aus-druck sey. Ich für mein Theil sehe hier weder die Unvcrmö-gcnhcit des Künstlers, noch die Unvcrmögcnbcit der Kunst. Mitdem Grade des Affects verstärken sich anch die ihm entsprechen-den Züge des Gesichts; der höchste Grad hat die allcrentschic-dcuste» ?üge, und nichts ist der Kunst leichter, als diese aus-zudrücken. Aber Timanthcs kannte die Grenze», welche dieGrazien seiner Kunst setze». Er wußte, daß sich der Zammcr,welcher dem Agamcmnon als Vater zukam, durch Verzerrungenäußert, die allezeit häßlich sind. So weit sich Schöiihcit undWürde mit dem Ausdrucke verbinden ließ, so weit trieb er ihn.Das Häßliche wäre er gern Übergängen, hätte er gern gelin-dert; aber da ihm seine Eomposition beydes nicht erlaubte, wasblieb ihm anders übrig, als es zu verhüllen? — Was er nichtmahlen dürfte, ließ er errathe». Kurz, diese Verhüllung istein Opfer, das der Künstler der Schönheit brachte. Sie ist einBeyspiel, nicht wie man den Ausdruck über die Schranken der.Kunst treibe», sondern wie man ihn dem ersten Gesetze derKunst, den, Gesetze der Schönheit, unterwerfen soll.
Und dieses nun auf den Laokoon angewendet, so ist dieUrsache klar, die ich suche. Der Meister arbeitete auf die höchsteSchönheit, unter den angcnommcncn Umständen des körperlichenSchmerzes. Dieser, in aller seiner entstellenden Heftigkeit, warmit jener nicht zu verbinde». Er mußte ihn also herab setzen;er mußte Schreyen in Seufzen mildern; nicht weil das Schreyeneine unedle Seele verräth, sondern weil es das Gesicht auf eineekelhafte Weise verstellet. Denn man rcissc dem Laokoon inGedanken nur den Mund auf, und urtheile. Man lasse ihnschreyen, und sehe. Es war eine Bildung, die Mitleid ein-flößte, weil sie Schönheit und Schmerz zugleich zeigte; nun istes eine bäßlichc, eine abscheuliche Bildung geworden, von derman gern sei» Gesicht verwendet, weil der Anblick des Schmer-zes Unlust erregt, ohne daß die Schönheit des leidenden Gcgcn-
Lummi moerori» »cerblliUem »rle ex>>ri,»i »011 poss« coilketlus etl.V.ilerwü !»!lximuki lib. VIII. e»l». tl.