Laokeon.
chc» will, in vergrößerter wilder Gestalt, mit flcckigtcn Wangen,in verwirrtem Haare, die Pcchfackcl ergreift, ein schwartzcs Ge-wand um sich wirft, und ans einer finstern Wolke stürmisch her-absah«: so ist das kein Augenblick für den Künstler, weil er siedurch nichts iu diesem Augenblicke kenntlich machen kann. Esist nur ein Augenblick sür den Dichter, weil dieser das Vorrechthat, einen andern, in welchem die Göttin ganz Venus ist, sonahe, so genau damit zu verbinden, daß wir die Venus auch inder Furie nicht aus den Augen verlieren. Dieses thut Flaccus:— — I^e^ne onim !>Ima vi>!ei'i
Inin turnet; ant >ore>! oi'iuvm fulmvotitui' auro,
8iltvi'eo!i ititl'ui» tiiiu«. I^rxlem etVeia iiiAens
M ni!>«:ulis l'liil'vLla A0»a«; ninuin^uo ton.intein
ViiAlinlius 8l^g!is, ni^rnin^ne siluillima nalluin. Z°Eben dieses thut Statius:
lila p:>»I»on voleiem ecnlinnn^iio nllni'is I!nc^uc!N5,
IVve vulln nee oi'Inv nrioi, solvilse j»A!>Ieni
l^etton, A Iclnli.is nvooul aI)leA!>lIv vo1»<:r<:8
Voi'tui'. I^innt eorle, media <^ui noolis in uinlir.'l
Dlvlnn, nlios lAiios nuijoia^uo tela Avrenlem,
"I'iU'>!>l!!>s intei' tlinliiin!« volitatle soioros
Viilxnront: ut^ue ininücilis arcana dnmorum
^ngnivus, A loeva soiinicline onncla ronleiit
I^iinlun. ü —
Oder man kann sagen: der Dichter allein besitzet das Kunst-stück, mit negativen Zügen zu schildern, und durch Vermischungdieser negativen mit positiven Zügen, zwey Erscheinungen in einezu bringen. Nicht mehr die holde Venus; nicht mehr das Haarmit goldenen Spangen geheftet; von keinem azurnen Gewändeumflattert; ohne ihren Gürtel; mit andern Flammen, mit grö-ßer» Pfeilen bcwafnct; in Gesellschaft ihr ähnlicher Furien.Aber weil der Artist dieses Kunststückes entbehren muß, soll sichseiner darum auch der Dichter enthalten? Wenn die Mahlereydie Schwester der Dichtkunst seyn will: so sey sie wenigstens
S) ^rxnn-nit, II. V. tOZ-106./«) 'l'Iieliüid. I.lb. V. v. 61-64.