'.'0
Hambnrgische Dramaturgie.
Zcde Bewegung, welche die Hand bey moralischen Stellenmacht, muß bedeutend seyn. Oft kann man bis in das Mah-lerische damit gehen; wenn man nur das Pantomimische ver-meidet. Es wird sich vielleicht ein andermal Gelegenheit finden,diese Gradation von bedeutenden zu mahlerischen, von mahle-rischen zu pantomimischen Gesten, ihren Unterschied und ihren Ge-brauch, in Beyspielen zu erläutern. Ztzt würde mich dieses zuweit führen, und ich merke nur an, daß es unter den bedeu-tenden Gesten eine Art giebt, die der Schauspieler vor allenDingen wohl zu beobachten hat, und mit denen er allein derMoral Licht und Leben ertheilen kann. Es sind dieses, miteinem Worte, die mdividualisircndcn Gestns. Die Moral istein allgemeiner Satz, ans den besondern Umstanden der han-delnden Personen gezogen; durch seine Allgemeinheit wird ergewissermaßen der Sache fremd, er wird eine Ausschweifung,deren Beziehung auf das Gegenwärtige von dem weniger auf-merksamen, oder weniger scharfsinnigen Zuhörer, nicht bemerktoder nicht begriffen wird. Wann es daher ein Mittel giebt,diese Beziehung sinnlich zu machen, das Symbolische der Moralwiederum auf das Anschauende zurückzubringen, und wanndieses Mittel gewisse Gcstus seyn können, so muß sie der Schau-spieler ja nicht zu machen versäumen.
Man wird mich aus einem Exempel am besten verstehen.Ich nehme es, wie mir es itzt beyfällt; der Schauspieler wirdsich ohne Mühe auf noch weit einleuchtendere besinnen. —Wenn Olint sich mit der Hofnung schmeichelt, Gott werde dasHerz des Aladin bewegen, daß er so grausam mit den Christennicht verfahre, als er ihnen gedrohet: so kann Evander, alsein alter Mann, nicht wohl anders, als ihm die Betricglichkeitunsrer Hofnungen zu Gemüthe führen.
„Vertraue nicht, mein Sohn, Hofnungen, die octricge»!"Sein Sohn ist ein feuriger Züngling, und in der Zugend istman vorzüglich geneigt, sich von der Zukunft nur das Bestezu versprechen.
„Da sie zu leichtlich glaubt, irrt muntre Jugend oft."Doch indem besinnt er sich, daß das Alter zu dem entgegen