28 Hamburgische Dramaturgie.
bedürfen keines Commcntars. Ich wünsche nur, daß manchesdarinn nicht in den Wind gesagt sey!
Sie wurden beide nngcmcin wohl, die erstere mit alle demAnstandc und der Würde, und die andere mit alle der Wärmeund Feinheit und einschmeichelnden Verbindlichkeit gesprochen, dieder besondere Inhalt einer jeden erfodcrtc.
Prolog.(Gesprochen von Madame Löwen.)
Ihr Freunde, denen hier das mannichfache SpielDeS Menschen, in der Kunst der Nachahmung gefiel:Ihr, die ihr gerne weint, ihr weichen, bessern Seelen,Wie schön, wie edel ist die Lust, sich so zu quälen;Wenn bald die süße Thran', indem das Herz erweicht,In Zärtlichkeit zerschmilzt, still von den Wangen schleicht,Bald die bestürmte Sccl', in jeder Nerv' erschüttert,Im Leiden Wollust fühlt, und mit Vergnügen zittert!O sagt, ist diese Kunst, die so Eur Herz zerschmelzt,Der Leidenschaften Strom so durch Eur Jnncrs wälzt,Vergnügend, wenn sie rührt, entzückend, wenn sie schrecket,Zu Mitleid, Menschenlieb', und (5dcl»iuth erwecket,Die Sittenbilderinn, die jede Tugend lehrt,Ist die nicht ^urcr Gunst, und Eurer Pflege werth«
Die Fürsicht sendet sie mitleidig auf die Erde,Zum Besten des Barbars , damit er menschlich werde;Weiht sie, die Lehrerin der Könige zn seyn,Mit Würde, mit Genie, mit Feur vom Himmel ein;Heißt sie, mit ihrer Macht, durch Thränen zu ergötzen,DaS stumpscste Gefühl der Menschenliebe wetzen;Durch süße Herzensangst, und angenehmes GraunDie Bosheit bändigen, und an den Seelen baun;Wohlthätig für den Staat, den Wüthenden, den Wilden,Zum Menschen, Bürger, Freund, und Patrioten bilden.
Gesetze stärken zwar der Staaten Sicherheit,Als Ketten an der Hand der Ungerechtigkeit:Doch deckt noch immer List den Bösen vor dem Richter,Und Macht wird oft der Schutz erhabner Böscwichlcr.